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Michio Kaku: Physics of the Future : Die Enterprise hinterlässt ihre Spuren

Diese Verschmelzung mit dem Virtuellen hat in Kakus Zukunftsszenario verschiedene Ausprägungen. Eine liegt auf der Linie der Erweiterung unserer Fähigkeiten durch maschinelle Anteile: Nicht bloß durch immer cleverere Roboter oder jederzeit an jedem Ort aufrufbare Expertensysteme, denen natürlich im Abschnitt über Künstliche Intelligenz (KI) auch überaus günstige Aussichten attestiert werden, sondern durch die Integration der maschinellen Prothesen oder Ergänzungen in den Körper selbst. Unter dem Titel "Flesh & Machines" hat Rodney Brooks, dessen Bottom-Up-Ansatz die KI auf ein neues Gleis brachte, diese Tendenz einmal abgehandelt.

Brooks wird von Kaku gewürdigt, und sogar der altgediente Computervisionär Hans Moravec mit seinen Unsterblichkeitsphantasien via Geist als Software hat einen kleinen Auftritt. Was Gesundheit und Lebensverlängerung betrifft - für die anvisierte Göttergleichheit nicht ohne Bedeutung -, bleibt Kaku aber doch etwas nüchterner auf dem biologischen Pfad, mit Vorgriffen auf eine zu sicherem Gang gekommene genetische Therapeutik und Anti-Aging-Verfahren.

Entropiebilanzen statt Politik

In diesen denkbar beherzten Vorgriffen auf das Gelingen neuerer Ansätze in den betrachteten Forschungsfeldern liegt die Pointe von Kakus Verfahren. Über die Solidität dieser über viele Hürden hinwegpreschenden Zukunftsprognosen mag man schwer streiten können. Als Indikator für gegenwärtige Tendenzen und vor allem mancher mit ihnen verknüpften Erwartungen sind sie doch aufschlussreich.

Bleibt aber noch die offensichtliche Schwachstelle, dass die wissenschaftlich-technische Zukunft selbstverständlich in politisch-ökonomischen Landschaften stattfindet, die als Erstes die Frage aufkommen lassen, wer über die jeweiligen Innovationen verfügen wird - und wer draußen bleibt; von tiefer gehenden Verwerfungen globalen Maßstabs ganz abgesehen. Kaku geht an dem Vorbehalt zwar nicht vorbei, aber seine Vermutungen fallen auf diesem Terrain notgedrungen doch sehr freihändig und gut gemeint aus. Im Kern laufen sie auf die Hoffnung hinaus, dass sich eine planetare Zivilisation herausbildet - was man wohl als SF-Variante der eigentlich aus der nachhegelschen Geschichtsphilsophie kommenden Aussicht auf eine "Ende der Geschichte" ansehen kann. Samt einer tonangebenden Mittelklasse, auf die Kaku eigens hinzuweisen nicht vergisst - und der sogar die spätere Eroberung des Weltraums in Aussicht gestellt wird.

Da reicht der Blick des an der Geschichte vorbei spekulierenden Physikers - Entropiebilanzen statt Politik - natürlich schon über das Ende des Jahrhunderts hinaus. Aber am Schluss gibt es noch die Schilderung eines Tages im Jahr 2100. Da sehen wir den Protagonisten erwachen, nennen wir ihn Mr. Bloom, und gleich darauf beginnen auch die DNA- und Proteinsensoren im Badezimmer für das Monitoring seines Zustands zu arbeiten, direkte mentale Ansteuerungen - ein paar Drähte um den Kopf - organisieren Frühstück und Haushalt, Einsetzen der Kontaktlinsen gibt die Verbindung zum Internet und zu den Nachrichten. Und so geht es dann auch weiter, vom magnetischen Wagen über abrufbare 3D-Simulationen bis zu den Robotern, und etwas später kommt auch Dr. Brown ins Spiel, das ärztliche Expertenprogramm. Denn Mr. Bloom will mit seiner Karen, beide schon sehr langlebig, eine Familie gründen, was darauf hinausläuft, schon mal die mögliche genetische Ausstattung des gemeinsamen Kindes durchzugehen. Vorher geht's noch einmal auf einen touristischen Trip mit dem Raumaufzug.

Irgendwo glaubt man das freilich schon gelesen oder gesehen zu haben. Der Weltraumausflug als klassisches SF-Element trägt seinen Teil dazu bei. Aber andere Facetten liegen näher, nicht zuletzt die medizinisch relevanten Entwicklungen: Unwillkürlich muss man daran denken, dass junge Leser dieser Zukunftsvision bereits eine gar nicht so kleine Chance haben, dereinst zu sehen, was nach neunzig Jahren wirklich herausgekommen ist.

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