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Martin Nowak: SuperCooperators : Die Klassische Verwandtenauslese reicht nicht

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Bild: Verlag

Man darf sich in der Population nur nicht ganz aus den Augen verlieren: Martin Nowak und Roger Highfield präsentieren ein neues allgemeines Modell für die Entstehung von Kooperation und altruistischem Verhalten.

          4 Min.

          Wenn es um die Evolution von Kooperation und Altruismus geht, hört für Evolutionsbiologen der Spaß auf. Seit im vergangenen Jahr in der Zeitschrift „Nature“ ein provokativer Artikel des theoretischen Biologen Martin Nowak, der jungen rumänischen Mathematikerin Corina Tarnita und des Ameisenforschers Edward B. Wilson erschienen ist, der herrschende Theorien zur Evolution des Altruismus für unbrauchbar und obsolet erklärt, herrscht helle Aufregung, und die üblicherweise doch recht gemächlichen Fachzeitschriften überstürzen sich geradezu mit der Veröffentlichung von ausführlichen Entgegnungen und Leserbriefen. In einem wohl kaum zufälligen Zusammentreffen wagt sich nun Martin Nowak unter Mithilfe von Roger Highfield, Herausgeber des renommierten Wissenschaftsmagazins „New Scientist“, an die Aufgabe, die ungemein komplexe Materie auch für Laien gut verständlich darzustellen.

          Seit egoistische Gene sich in der Evolutionslehre als das bevorzugte Erklärungsmodell durchsetzen konnten, haben einige zentrale Phänomene der Biologie ihre frühere Selbstverständlichkeit eingebüßt. Warum arbeiten Eltern bei der Aufzucht der Kinder zusammen, wenn die Arbeit auch nur ein Elternteil erledigen könnte? Warum gibt es überhaupt vielzellige, komplexe Lebewesen? Denn auch die Hierarchie des Lebens beruht auf Kooperation: Gene schließen sich zu Chromosomen zusammen, Chromosomen bilden Gruppen in Zellen, und Zellen vereinigen sich zu vielzelligen Organismen, bei denen nur eine kleine Gruppe von Zellen - die Keimzellen - zur nächsten Generation beitragen können. Statt überall lediglich eine Natur „red in tooth and claw“ zu finden, können eben auch mannigfaltige und weitverbreitete Prozesse der Kooperation entdeckt werden.

          Eine umfassende Theorie

          Das Problem für Biologen war schon immer, dass sich die Kosten der Kooperation leichter bestimmen ließen als ihr Nutzen. Aber schon 1964 gelang es William Hamilton, eine bahnbrechende Lösung zu finden: Er erklärte die Evolution kooperativen Verhaltens durch die Unterstützung von Verwandten. In Verwandten finden sich mit großer Wahrscheinlichkeit Kopien des eigenen Genmaterials, deren weitere Reproduktion der eigenen Fitness - gewichtet nach dem Verwandtschaftsgrad - zugeschlagen werden kann. Hamilton nannte diese Komponente „inklusive Fitness“, und dieses Konzept hat sich seither einen zentralen Platz in der Evolutionsbiologie erobert.

          Nowaks Provokation besteht nun darin, dieses von zahllosen Biologen so hoch geschätzte und intuitive Erklärungsmodell als gescheitert zu erklären. Die Begründung dafür liefert Nowak mit mathematischen Modellen, deren Details den meisten Lesern - und auch Biologen - kaum nachvollziehbar sind. Über das Schicksal der inklusiven Fitness ist das letzte Urteil daher noch nicht gesprochen; die in den Fachzeitschriften ausgetragene Debatte dreht sich tatsächlich vor allem um dieses Thema. Die Kritik am Konzept der inklusiven Fitness nimmt allerdings nur einen kleinen Teil des vorliegenden Buches ein. Nowaks Leistung besteht vor allem darin, eine umfassende Theorie vorzustellen, die auf dieses populäre Konzept verzichtet und dennoch alle Kooperationsformen in der Natur einschließt.

          Fünf grundlegende Mechanismen

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