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Das Phänomen Krieg : Mit immer neuen Waffen

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Bilder des Krieges als technologische Feinarbeit: Explodierendes Zielobjekt im Fadenkreuz eines Bombers, aufgenommen von einem am Flugzeug befestigten Videogerät Bild: picture-alliance / dpa

Die Faszination für Gewalt besteht auch in Friedenszeiten: Die Historikerin Margaret MacMillan beschäftigt sich mit der Bedeutung des Kriegs für die Menschheitsgeschichte.

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          Ein französischer Revolutionär erklärte 1791: „Weil ich den Frieden will, bitte ich um Krieg.“ Viele Kriegsbegründungen in der Menschheitsgeschichte sind von diesem Paradox geprägt: Krieg um des Friedens willen. Radikale Ideen, neue politische Ordnungen oder Sehnsucht nach hergebrachter Stabilität – sie alle haben sich oft nur gewaltsam behaupten können und zugleich die ethisch rein klingende Idee vom Frieden für sich in Anspruch genommen. Das ist ein Paradox, aber nicht das einzige, das Margaret MacMillan beschäftigt. Denn Kriege, sagt sie, hätten die Menschheit zu dem gemacht, was sie heute ist – im Guten wie im Bösen leben wir in einer vom Krieg geprägten Welt.

          Wenn eine renommierte Historikerin, deren Meisterstück ein Werk über die Pariser Friedenskonferenz von 1919 war, ein universalgeschichtliches Buch zum Thema Krieg vorlegt, darf man gespannt sein. Die Kanadierin MacMillan erzählt dieses Mal nicht vom Zusammenbruch eines bestimmten Friedens oder dem Versuch, nach einem zerstörerischen, blutigen Krieg eine neue Ordnung zu errichten. Sondern sie beschäftigt sich erstaunlich grundsätzlich mit dem Phänomen Krieg, wobei sich zu jeder Epoche der Weltgeschichte und zu jeder Weltgegend erhellende Beobachtungen und Interpretation finden.

          Erstaunlich brutale Filme, Erzählungen und Spiele

          MacMillan beginnt ihre Erzählung auf einem abgetauten Eisfeld in den mitteleuropäischen Bergen. Wanderer fanden dort eine Leiche. Der Mann hatte etwas Nahrung bei sich, und woran er auf dieser Passhöhe gestorben war, weiß man bis heute nicht. Aber an seinem Messer war Blut, und auch eine Pfeilspitze fand sich im Körper von „Ötzi“ (wie man den Mann nach der Fundstelle in den Ötztaler Alpen nannte). Demnach war er um 3300 vor Christus als Täter und Opfer in Gewalt und vielleicht auch in kriegerische Aktivitäten involviert.

          Margaret MacMillan: „Krieg“. Wie Konflikte die Menschheit prägten.
          Margaret MacMillan: „Krieg“. Wie Konflikte die Menschheit prägten. : Bild: Propyläen Verlag

          Krieg war und ist überall. Organisierte Gewalt lässt sich für früheste Zivilisationen nachweisen, selbst wenn die meisten Fragen an diese Zeit unbeantwortet bleiben, weil entsprechende Quellen fehlen. Auch außereuropäische Gesellschaften sind keineswegs so friedliebend gegen ihre Nachbarn gewesen, wie mancher romantische Blick auf sie behauptete. Die Yanomami im brasilianischen Regenwald beispielsweise leben zwar harmonisch miteinander, aber nicht im Verhältnis zu anderen Dörfern. Gleiches lässt sich für die Inuit vermuten, berichten doch ihre mündlich überlieferten Geschichten von vergangenen Kriegen voller Gewalt.

          In größter historischer Anschaulichkeit

          Europa erlebt seit mehr als siebzig Jahren eine ungewöhnlich lange Phase weitgehenden Friedens. Aber auch hier bleibt die Faszination für Gewalt bestehen. Sie schlägt sich in Filmen, Erzählungen und Spielen nieder, die erstaunlich brutal sind und gerade deswegen viel Anklang finden. Zugleich hat MacMillan zufolge die Abwesenheit von Krieg etwas mit den Gesellschaften und den Menschen gemacht: Das Verständnis für dieses gewaltvolle Phänomen sei verloren gegangen, meint MacMillan, und das sei bedenklich. Zu wenig werde über Krieg geforscht, nachgedacht, setze man sich mit ihm auseinander. Dabei ist doch Krieg in ihren eindrücklichen Worten „vermutlich die am besten organisierte aller menschlichen Aktivitäten, und er hat seinerseits die Organisation der Gesellschaft vorangetrieben“.

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