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: Lieber auf die Universität gehen als in die Koranschule

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Mit drei Metaideen schlägt Peter Watson eine Schneise durch das Ideenchaos der Kulturgeschichte, in dem man sich ansonsten nur verwirren und verheddern würde. Der Leser kommt gut voran und sieht am Ende: Licht. Peter Watson, ein sehr vielseitiger Autor, ist beides: ein Wissenschaftler, Lehrbeauftragter ...

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          Mit drei Metaideen schlägt Peter Watson eine Schneise durch das Ideenchaos der Kulturgeschichte, in dem man sich ansonsten nur verwirren und verheddern würde. Der Leser kommt gut voran und sieht am Ende: Licht. Peter Watson, ein sehr vielseitiger Autor, ist beides: ein Wissenschaftler, Lehrbeauftragter an der Universität Cambridge, und ein Journalist, der schon viele populäre Bücher, vom Sachbuch bis zum Thriller, verfaßt hat. Er schafft es, fundiert und trotzdem so spannend zu schreiben, daß einem der Hut kreist.

          Watsons Thema sind die Wurzeln unserer westlichen Kultur. Andere Kulturen - Indien, China, das Judentum, der Islam - werden desto ausführlicher behandelt, je größer ihre Wechselwirkung mit dem Abendland war. Völker wie die Azteken und die Inka, die sich völlig separat entwickelt haben, sind dabei die Kontrollgruppe, die uns zeigt, was uns angeboren ist und was sich variabel entwickeln kann.

          Im Deutschen unterscheiden wir zwischen Kultur und Zivilisation. Doch Watson ist Brite, und "culture" beinhaltet für ihn beides. Er scheint aber doch wohl eher ein Geisteswissenschaftler mit einer etwas unglücklichen Liebe zu den Naturwissenschaften zu sein. Wenn mathematische oder physikalische Präzision angesagt ist, dann gerät er manchmal ins Stottern. Der Schreibfehler "David Hilpert" statt "David Hilbert" ist so verräterisch, wie "Arthur Schobenhauer" wäre. Hilpert war der Regisseur, Hilbert der große Mathematiker.

          Watson versucht, mit nur drei Metaideen Struktur in das Ideenchaos zu bringen. Diese drei Grundideen sind die Seele, Europa und das Experiment. Damit schaffen wir es, durch die Millennien zu navigieren, ohne die Orientierung zu verlieren.

          Die Idee der Seele steht für die Besinnung auf das Innere und das Jenseits. Diese setzte vielleicht im sogenannten Achsenzeitalter zwischen dem siebten und dem vierten Jahrhundert vor der Zeitrechnung ein. (Das Buch füllt aber davor schon 175 faktenreiche Seiten mit den drei Millionen Jahren seit der Erfindung des Faustkeils.) In Palästina, Indien, China, Griechenland und wohl auch Persien begann man damit, nach der Wahrheit zu suchen, indem man tief in sich selbst hineinschaute. Es war die Zeit von Buddha und Konfuzius. Varianten dieser Idee traten periodisch wieder in den Vordergrund. Stichwörter dazu: Plato, Jesus, Augustinus, die Beichte, die Pest, die Reformation, die Romantik, Freud.

          Der Gegenentwurf zur Idee der Seele ist die Idee des Experiments. Damit ist natürlich allgemeiner die empirische wissenschaftliche Methode gemeint. Wenn beispielsweise Galilei die vier großen Jupitermonde entdeckt, dann gehört so etwas in diesen Zusammenhang, auch wenn Galileo da gerade nicht experimentiert hat. Die Wahrheit wird im Hier und Jetzt gesucht. Nicht die Autorität einer Person entscheidet, was richtig ist, sondern nur nachprüfbare Fakten. Stichwörter hierzu sind Aristoteles, Kopernikus, Newton, das Fernrohr, das Mikroskop, die Entstehung von Universitäten, die Ökonomie und die Sozialwissenschaften.

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