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Kurt Flasch: Warum ich kein Christ bin : Wenn schon Glauben, dann mit Spanferkel

  • -Aktualisiert am

Bild: C.H. Beck

Bis zum Atheisten will er es nicht mehr bringen: Der Mainzer Philosophiehistoriker Kurt Flasch erklärt, warum er vom Christentum abgefallen ist. Von Theologen lässt er sich dabei leider nicht helfen.

          Warum ich kein Christ bin“ ist kein Buch der Kirchenkritik. Kurt Flaschs kritische Rechenschaft zielt nicht auf den heutigen Zustand der Kirchen, sondern auf die von ihnen verkündeten Lehren, die sich nach seiner Meinung auch in der Gegenwart weitreichender Anerkennung und „großer Schonung“ erfreuen. „Mein Auszug“, so sagt er gleich eingangs, „hat wenig mit dem Zustand der Kirchen und viel mit ihrem Anspruch auf Wahrheit zu tun.“ Dargestellt wird eine Entwicklung, ein Prozess. Kurt Flasch war Christ; er ist es nicht mehr. Was hat ihn mit 83 Jahren, in der Nähe des unvermeidlichen Endes, veranlasst, „langsam und relativ akribisch Abschied“ zu nehmen nicht nur von seinem Kinderglauben, sondern von der christlichen Religion im Ganzen, die ihn doch - als Zeitgenossen und als Forscher - ein Leben lang begleitet hat?

          Traumatische Erlebnisse mit der Kirche waren es nicht, ganz im Gegenteil. Flasch lernte das Christentum nach eigenem Zeugnis „unter denkbar günstigen Bedingungen“ kennen - nicht in der Zeit des Triumphs, sondern in der Verfolgung im NS-Staat. Ein Onkel gehörte zu den katholischen Martyrern des zwanzigsten Jahrhunderts. Den Mainzer Klerus lernte der Schüler in dieser Zeit „in seinen edelsten Spitzen“ kennen. Kleriker haben ihn „weder gedemütigt noch bedrängt“. Kein Gedanke daran, „dass ich je das Opfer sexueller Gewalt durch Geistliche geworden wäre“.

          Zweifel führten nicht zum Glauben, sondern zur Philosphie

          “Das kirchliche Denken bot in kleinsten katholischen Zirkeln Schutz gegen die herrschende Ideologie; dort habe ich früh die Wahrheit über die Judenverfolgung und Hitlers Kriegsverbrechen gehört.“ Flasch konnte sich unter den Mainzer Klerikern auch die beiden Geistlichen aussuchen, „die am freundlichsten zu mir waren und von denen ich am meisten lernen konnte“. Der eine schenkte ihm, als er vierzehn wurde, Nietzsches „Zarathustra“, der andere brachte ihm das Lesen mittelalterlicher Handschriften bei. Aus Kleriker-Unarten, so resümiert Flasch, „lässt sich also meine Glaubensverweigerung biographisch nicht ableiten“.

          Wo wurzelten dann die Zweifel? Sie waren leiserer Art, subtilerer Natur. Viele biblische Aussagen erschienen ihm schon als Kind fragwürdig. Manches erschien ihm kulturellen oder politischen Rücksichten geschuldet. Im Studium in Frankfurt lernte Flasch Historiker kennen, die jedem antiken Text mit peinlicher Akribie zu Leibe rückten, solche Sorgfalt aber bei biblischen Texten vermissen ließen. Schwächte hier der Glaube den Verstand? Der junge Studienassessor an einem hessischen Gymnasium entschloss sich, auf die Bibel, die christlichen Glaubenszeugnisse die gleiche Akribie anzuwenden, wie sie bei profanen Texten, etwa den Cicero-Briefen, üblich und selbstverständlich war. Dazu war philologischer Scharfsinn nötig, doch er genügte nicht. Das schärfste kritische Instrument erwuchs dem Fragenden in Gestalt jener Disziplin, die zum Hauptfach seines Lebens werden sollte: der Philosophie.

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