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: Kultur der Politik

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Sind es "schon" vier Jahre oder "erst" vier Jahre, die nach der Erstveröffentlichung von Hilmar Hoffmanns Erinnerungen vergangen sind? Hoffmann entscheidet sich für ersteres und geht mit seiner "archäologischen Spurensicherung" in die aktualisierte und erweiterte Neuauflage. Hilmar Hoffmann galt ...

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          Sind es "schon" vier Jahre oder "erst" vier Jahre, die nach der Erstveröffentlichung von Hilmar Hoffmanns Erinnerungen vergangen sind? Hoffmann entscheidet sich für ersteres und geht mit seiner "archäologischen Spurensicherung" in die aktualisierte und erweiterte Neuauflage. Hilmar Hoffmann galt als einer der einflußreichsten Kulturpolitiker Deutschlands, der auf eine Laufbahn zurückblickt, die vom Leiter einer Oberhausener Volkshochschule in den fünfziger Jahren bis zum Präsidentenamt des Goethe-Instituts reicht. Seine Verabschiedung 2002 durch Bundespräsident Rau beschreibt Hoffmann als "krönenden Abschluß" seiner rastlosen Karriere.

          Die oftmals im Plauderton, nicht ohne Stolz und Eitelkeit erzählten Anekdoten berichten von gesellschaftlichen Szenarien, politischen Verstrickungen und liefern mitunter geschickt pointierte Charakterzeichnungen öffentlicher Personen, die den Lebensweg des Kulturpolitikers kreuzten. Hierzu gehören Politiker höchsten Ranges sowie Künstler und Stars unterschiedlichster Provenienz. Die bereits in der Erstauflage bei Hoffmann und Campe erschienenen Erinnerungen schildern sein erfolgreiches Agieren als Kulturdezernent in Frankfurt, das Engagement bei der Stiftung Lesen sowie die Tätigkeit als kulturpolitischer Berater in Weimar, wobei die Frankfurter Jahre deutlich als Gipfel der Laufbahn zu erkennen sind.

          Die Neuauflage ergänzt Hoffmanns Lebensbericht um die vergangenen vier Jahre, die immerhin Ereignisse wie den 11. September, Gerhard Schröders Wiederwahl und - für Hoffmann persönlich von besonderer Wichtigkeit - das Ministeramt für Kultur und Medien mit sich brachten. Dementsprechend wurden die Kapitel über Schröder und Joschka Fischer komplett neu bearbeitet sowie ein neuer Teil über Michael Naumann und Julian Nida-Rümelin hinzugefügt. Hoffmanns Fischer-Porträt ("vom Sponti zum weltformatigen Staatsmann") liest sich wie eine offene Liebeserklärung, während das Kulturminister-Kapitel seltsam emotionslos daherkommt. Jenem Anhängsel über die beiden Amtsinhaber geht der unterhaltsame Salonstil des restlichen Buches fast gänzlich ab; es wirkt daher eher wie eine Pflichtübung. Möglicherweise äußert sich in genau jener Nüchternheit ein Gefühl persönlichen Unmuts, dessen explizite Äußerung den allgemeinen Tenor des Buches empfindlich gestört hätte. Am Ende jedoch kehrt das Pathos zurück - jeglicher Unmut verflüchtigt sich: "Jetzt genieße ich den Vorteil des Alters, nichts mehr werden zu müssen, sondern nur noch zu sein."

          GREGOR SCHUHEN

          Hilmar Hoffmann: "Ihr naht Euch wieder, schwankende Gestalten". Erinnerungen. Neufassung. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2003. 540 S., br., 15,- [Euro].

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