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Diese patriotische Kombination trug 2016 ein Teilnehmer einer Pegida-Demonstration in Dresden. Bild: dpa

Hörbuch „Post von Karlheinz“ : Mit Rechthabern reden

Dieses Hörbuch ist nur erträglich und sogar amüsant, weil der Journalist Hasnain Kazim so geschickt auf seine hasserfüllte Leserpost antwortet. Was lehrt uns die Korrespondenz mit Wutbürgern?

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          Dass man privilegiert ist, merkt man daran, dass man nichts merkt. Wenn sich also etwa ein weißer Journalist darüber beklagt, er bekomme unverschämte Leserpost, ist das sicher richtig. Und trotzdem ist es ganz gut, gelegentlich Frauen oder Kollegen mit Migrationshintergrund (oder gar beides in Personalunion!) zu fragen, wie ihre schlimmsten Leserbriefe so klingen. Bei Frauen spielt sexualisierte Aggression eine Rolle, von deren Ausmaß viele Männer nichts ahnen. Was Menschen mit ausländischen Namen so für Post bekommen, hat der Journalist Hasnain Kazim in „Post von Karlheinz. Wütende Mails von richtigen Deutschen – und was ich ihnen antworte“ mit der Welt geteilt. Die Nachrichten, die die Schauspieler Bjarne Mädel, Cathlen Gawlich und Bernhard Schütz für dieses Hörbuch vorlesen müssen, liegen außerhalb der Vorstellungskraft anständiger Menschen.

          Julia Bähr
          Koordinatorin F+Inhalte und redaktionelles SEO.

          Er möge Deutschland verlassen und in seine Heimat zurückkehren, sofort, zumal er doch sicher Muslim sei – so kann man weite Teile der Nachrichten an ihn zusammenfassen, wenn man dabei die wüsten Beschimpfungen, Dummheiten, Unterstellungen und Verschwörungstheorien abzieht. Nun ist Hasnain Kazim, der Sohn indisch-pakistanischer Einwanderer, gebürtiger Oldenburger und könnte damit nur nach Niedersachsen zurückgehen. Aber diese Karte zieht er in seinen Antworten nie, wahrscheinlich wohl wissend, dass sie ihm nichts bringen würde. Stattdessen begegnet er der ganzen Wut entweder mit großer Ernsthaftigkeit, indem er den Verfassern Zusammenhänge erklärt und Fragen stellt, oder aber mit beißender Ironie. Dass viele die überhaupt nicht verstehen und ihm zurückschreiben, er habe ja nun zugegeben, dass er in Deutschland ein Kalifat errichten wolle, sie würden jetzt die Polizei informieren, ist so peinlich, dass man kaum darüber lachen kann.

          Hasnain Kazim: „Post von Karlheinz. Wütende Mails von richtigen Deutschen – und was ich ihnen antworte“
          Hasnain Kazim: „Post von Karlheinz. Wütende Mails von richtigen Deutschen – und was ich ihnen antworte“ : Bild: Hörverlag

          Kazim hat jahrzehntelange Erfahrung mit bösartigen, rassistischen Leserbriefen. Die ersten erhielt er als Teenager nach einem Zeitungsartikel. Gemeinsam mit anderen Journalisten wie Deniz Yücel und Doris Akrap las er bei der Veranstaltungsreihe „Hate Poetry“ die Briefe vor, die ihn für seine Arbeit als Redakteur bei „Spiegel Online“ und als Korrespondent für den „Spiegel“ erreichten. Auch postete er die Korrespondenzen immer wieder auf Facebook. Einmal veröffentlichte er dort ein Video, in dem er die deutsche Nationalhymne auf einer Blockflöte spielt, weil ein Georg aus Zwickau ihn aufgefordert hatte zu beweisen, dass er Deutscher sei. Der deutsche Pass genügte dem Herrn nicht.

          Warum gibt Kazim sich diese Mühe? Obwohl die Briefe sich immer wieder mit persönlichen Erzählungen abwechseln, die der Autor selbst vorliest, bleibt seine Motivation für ein derart frustrierendes Unterfangen rätselhaft. Manche Leserbriefschreiber werden irgendwann etwas höflicher; vielleicht ist es das, was ihn bei der Stange hält. Ohne eine gesunde Portion Masochismus ist sein Engagement aber schwer vorstellbar; das Hörbuch ist überhaupt nur deshalb amüsant, weil Kazim so geschickt antwortet. Grandios sprechen die Schauspieler die fürchterlichen Texte, teilweise mit Schaum vorm Mund, aber nie parodistisch überzeichnet.

          „Post von Karlheinz“ ist ein tiefer Einblick in eine Welt, zu der man nicht gehören möchte und die doch den unbedingten Anspruch zeigt, sich auszubreiten. Es ist gut, mehr über sie zu erfahren – allein schon um zu bemerken, wie gut es einem geht, wenn man nicht dauernd aufgefordert wird, das eigene Deutschsein unter Beweis zu stellen. Was lernen wir daraus? Deutschland hat noch einen weiten Weg vor sich. Und es kann sich lohnen, überlegt auf Hass zu reagieren.

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