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: Kokainunfall mit Smoking

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Alkohol, Haschisch, Pillen, Kokain oder Heroin: Viele Rauschmittel sind heute Teil des gesellschaftlichen Mainstreams und werden so öffentlich wie vulgär konsumiert - nur Frank Zappa macht nicht mit. Unter Drogeneinfluss machen Menschen bekanntlich die seltsamsten Sachen: Sie springen von Dächern, ...

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          Alkohol, Haschisch, Pillen, Kokain oder Heroin: Viele Rauschmittel sind heute Teil des gesellschaftlichen Mainstreams und werden so öffentlich wie vulgär konsumiert - nur Frank Zappa macht nicht mit. Unter Drogeneinfluss machen Menschen bekanntlich die seltsamsten Sachen: Sie springen von Dächern, sprechen rückwärts, gehen in Teppiche eingewickelt zur Tankstelle, um dort nach der Jahreszeit zu fragen, fertigen obskure Knetarbeiten an, oder sie treiben Hochleistungssport.

          Weitaus öfter jedoch werden im Rauschzustand äußerst langweilige Dinge getan: Manche starren stundenlang nur die Wand an, andere hören idiotische Musik, wieder andere tanzen bedenklich oder machen sich Notizen, die besser unnotiert geblieben wären. So oder so, Drogen scheinen als Thema doch recht geheimnislos und gehören noch vor Sex und Popmusik zum Langweiligsten, worum sich abendliche Kneipenkonversation ranken kann: Jeder kennt irgendeinen unglücklichen Koks-Choleriker, einen verwahrlosten Hasch-Lahmen oder jemanden, dessen Alkoholexperimente den Rahmen des Duldbaren gelegentlich verlassen - und wenn man es selbst ist. Ganz im Ernst: Die biochemischen Vorgänge im nüchternen Hirn der eigenen Eltern sind weitaus interessanter und unvorhersehbarer als die Drogenexzesse irgendwelcher Prominenter oder befreundeter Suchtopfer.

          Hinzu kommt, dass dem Drogenkonsum heute in Zeiten öffentlichen Kampfkiffens, karrieristischen Koksens oder Entzugsbeichten von jedermann und Robbie Williams nichts Glamouröses, Romantisches oder gar Antikonformes mehr anhaftet. Stattdessen hat eine Vulgarisierung des Rausches stattgefunden: Selbst Versicherungsvertreter faseln heute von "kicks", und sogenannte Sportgetränke werden in einer Art beworben, als handele es sich um Psychedelika.

          Oder sollte es etwa doch noch interessante, unerhörte, am Ende gar bewusstseinserweiternde Informationen zum Thema Drogen geben? Das vollgestopfte Bändchen "Breites Wissen - Die seltsame Welt der Drogen und ihrer Nutzer" von Adriano Sack und Ingo Niermann erweckt durchaus diesen Eindruck. Auf knapp zweihundert Seiten versammelt es Listen, Anekdoten, Tabellen und Porträts rund ums Thema. Das Entscheidende: Gerade weil Rauschmittel heute Teil des gesellschaftlichen Mainstreams geworden sind, ergibt die launige Informationssammlung der beiden Autoren Sinn: Drogen sind mehr Pop, als sie es jemals waren, ob man es nun wahrhaben will oder nicht. Pop nicht im Sinne von wild, wohlgemerkt. Pop im Sinne von "populär", immer da, jedem bekannt. Pop im Sinne von: Bohlen, dem Wetten-dass-Prominentensofa, Stefan Raab, Monrose, Florian Silbereisen.

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