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: KlimtSchieleKokoschka, Wiens teuerstes Dreigestirn

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Wer waren die ersten Sammler und Mäzene der österreichischen Großkünstler? Tobias G. Natter blickt in diese Welt von gestern. WIEN. Gustav Klimt, Egon Schiele und Oskar Kokoschka zählen zweifelsfrei zu jenen österreichischen Künstlern, die seit Jahren den internationalen Markt beherrschen. Und auch ...

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          Wer waren die ersten Sammler und Mäzene der österreichischen Großkünstler? Tobias G. Natter blickt in diese Welt von gestern. WIEN. Gustav Klimt, Egon Schiele und Oskar Kokoschka zählen zweifelsfrei zu jenen österreichischen Künstlern, die seit Jahren den internationalen Markt beherrschen. Und auch in der Wiener Gesellschaft bis 1918 war es dieses Dreigestirn, das die Szene dominierte.

          Es fällt heute nicht allzu schwer, neben dem ortsansässigen einstigen Augenarzt Professor Rudolf Leopold und neben Ronald Lauder, dem amerikanischen Afficionado mit diplomatischer Vergangenheit - sie beide stehen an der Spitze einschlägiger Museen -, weitere Sammler der drei Rekordpreisgaranten innerhalb und außerhalb Wiens aufzuzählen. Schon schwieriger ist es, sich die ersten Käufer und Mäzene in Erinnerung zu rufen, über die schlichte Nennung von Namen hinaus - und es waren dies durchaus klingende Namen.

          Tobias G. Natter, für diverse Buch- und Ausstellungsprojekte derzeit beurlaubter Kurator an der Österreichischen Galerie im Belvedere, der mit der Schau "Klimt und die Frauen" in Wien oder mit den frühen Porträts von Oskar Kokoschka in der Neuen Galerie in New York als geistreicher Kenner hervorgetreten ist, hat nun mit dem großartigen Bildband "Die Welt von Klimt, Schiele und Kokoschka. Sammler und Mäzene" - penibel recherchiert und kurzweilig geschrieben - all diesen Namen wieder Leben eingehaucht.

          Viele der Auftraggeber scheinen uns deshalb vertraut, weil sie immer wieder von den Künstlern porträtiert wurden oder weil sie als Auftraggeber und Bauherrn Kunst- und Architekturgeschichte geschrieben haben. Manche Namen kennt man, weil sie - wie im Fall von Adele und Ferdinand Bloch-Bauer oder Heinrich Rieger - durch langwierige Restitutionsverfahren um einstigen Kunstbesitz, den die Nationalsozialisten raubten, immer wieder traurige Aktualität erlangen. Endlich kennt man wieder andere, weil sie selbst schillernde Künstlerpersönlichkeiten waren.

          Gustav Klimt war für den achtundzwanzig Jahre jüngeren Egon Schiele nicht nur väterlicher Freund und erster Sammler; Klimt führte ihn auch, wie zum Beispiel bei der Familie Serena und August Lederer, in eine Gesellschaft ein, die ihm sonst verschlossen geblieben wäre. Oskar Kokoschka für sein Teil hatte in dem Architekten Adolf Loos einen Mentor, der dem Enfant terrible ein sicheres Einkommen garantierte, indem er bei Mißfallen auf seiten der Dargestellten - was leider fast die Regel war - die Bildnisse selbst ankaufte.

          "Man muß den zeitgenössischen Künstlern helfen, die alten Meister sind schon verhungert", so formulierte es der Rechtsanwalt und Sammler Alfred Spitzer für das Engagement einer höchst vielfältigen und ausdifferenzierten gesellschaftlichen Gruppe, die in jener Welt von gestern eines verband: Sie unterschieden sich gemeinsam von jenen Aristokraten, die "sich lieber Rennställe und Jagden hielten, als die Kunst, namentlich die moderne, zu fördern". Eingebettet in den historischen und den sozialen Hintergrund spannt sich der Bogen der zweiundzwanzig Porträts vom noch ganz dem Makartschen Historismus verhafteten Ringstraßen-Adligen Baron Nicolaus Dumba, der durch seinen Auftrag an Klimt, dessen Ausführung sich immer wieder verzögert, zum Mäzen eines Sezessionisten wider Willen wird, bis hin zu Herwarth und Nell Walden, den ersten Förderern von Kokoschka in Berlin.

          Was bei der Lektüre des Bandes eine besondere Freude bereitet, ist - neben den eingestreuten Zitaten aus bislang unpublizierten Briefen und den Interviews mit letzten lebenden Zeitzeugen - die Vielzahl an historischen Fotografien: Sie zeigen die Meisterwerke in ihrer ursprünglichen Umgebung, und sie führen individuelle Lebenswelten vor, die neben den klar durchdachten Interieurs eines Josef Hoffmann auch das bunt überladene Durcheinander zuließen.

          Vor allem aber stellt Tobias G. Natters Buch eines klar: So gern man die drei Wiener Helden Klimt-Schiele-Kokoschka in einem Atemzug nennt, so sehr man ihre Sammler und Förderer als Gruppe einer einheitlichen gesellschaftlichen Schicht darstellen und dies alles in einem Topf zu einer "Wien-um-1900-Herrlichkeit" verkochen möchte - das einzige, was sich bei diesem Dreigestirn wirklich homogen gestaltet, sind die Preise, die sie heute erzielen.

          Tobias G. Natter: "Die Welt von Klimt, Schiele und Kokoschka. Sammler und Mäzene". 303 S., zahlr. Farb- und Schwarzweißabb. DuMont Verlag, Köln 2003. 49,90 [Euro].

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