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Kay Sokolowsky: Feindbild Moslem : Zur Mobilisierung des Ekels

Bild: Verlag

Die gewaltige Resonanz der Islamkritik hat die Kritik der Kritik auf den Plan gerufen: Polemisch analysieren Sozialwissenschaftler eine von Panikattacken geschüttelte Öffentlichkeit.

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          Als Bundesfamilienministerin Kristina Schröder noch Köhler hieß und noch nicht Ministerin war, nahm sie an der Fernsehsendung „Hart, aber fair“ aus Anlass des Sarrazin-Eklats teil - ausgewiesen als Fachpolitikerin ihrer Bundestagsfraktion für „Islam, Integration und Extremismus“. Frank Plasberg fragte sie nach der Wirkung dieses Kompetenzprofils auf Besucher ihrer Internetseite. „Geht das in Ihrer Partei nur in diesem Dreiklang?“ Die Antwort der Politikerin und Politologin: „Das sind einfach drei Politikfelder, für die ich verantwortlich bin.“ Ein Zusammenhang, gab sie zu verstehen, werde durch die Aufzählung nicht suggeriert. Das war eine offenkundige Unwahrheit; nicht notwendig eine Lüge, man braucht die Ehrlichkeit der Antwort nicht in Zweifel zu ziehen, aber ein Bestreiten des Offensichtlichen.

          Patrick Bahners
          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Islam, Integration und Extremismus bilden seit Jahren ein festgefügtes Begriffsensemble; Integration wird hauptsächlich von Muslimen gefordert, und als größtes Hindernis gilt die angebliche Affinität ihrer Religion zum Extremismus. Das Engagement der Fachpolitikerin Köhler, das in der für ihren Beruf charakteristischen Weise hauptsächlich in öffentlichen Verlautbarungen bestand, setzte diesen Zusammenhang voraus und klopfte ihn fest. Der Wortwechsel mit Plasberg ist ein Indiz für den Stand der öffentlichen Rede über den Islam, für jene Formatierung des Themas, die durch die Themensetzung des Fernsehens und die Schlagzeilen der Presse vorgenommen wird, aber sich auch in der Spezialisierung einer ehrgeizigen Bundestagshinterbänklerin spiegelt. Dass der Islam als Problem der verfassungspolizeilichen Beobachtung und Prävention behandelt wird, kann auf Zustimmung rechnen, entspricht einer in weiten Kreisen der Bevölkerung verbreiteten und in vielfältigen Foren ausgesprochenen Einschätzung der Lage. Aber die Politiker, die diese Perspektive zu ihrer Sache machen, wollen doch nicht gesagt haben, der Islam sei seiner Natur nach extrem und die Integration von Muslimen von vornherein vergeblich. Diese Konsequenz darf nicht ziehen, wer ein Amt anstrebt, obwohl die Autoren, die als seriöse Autoritäten der Islamkritik gelten, dafür Argumente bereitstellen: die Behauptung etwa, das Wesen des Islams sei die Identität von Religion und Politik.

          Kritik der Kritik

          Die Karriere der Wiesbadener Jungpolitikerin auf dem Ticket der Islamexpertin ist ein Beispiel für die Resonanz der Islamkritik, die ihre eigene Kritik auf den Plan gerufen hat. Zu dieser analytisch-polemischen Literatur gehören ein voluminöser Sammelband aus dem Centrum für Religiöse Studien der Universität Münster, ein Taschenbuch des Journalisten Kay Sokolowsky sowie eine Betrachtung der Medienwirkungsforscherin Sabine Schiffer und eines Koautors über die Frage, ob es eine Islamfeindschaft gebe, über die sich etwas im historischen Vergleich mit dem Antisemitismus lernen lasse. Als das Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin 2008 zu dieser Frage eine Tagung abhielt, sah sich dessen Leiter Wolfgang Benz heftigen Attacken ausgesetzt, an denen sich Kristina Köhler beteiligte. Im Anhang des Buches von Sokolowsky nimmt Benz Stellung.

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