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Jutta Ziegler: Hunde würden länger leben, wenn . . . : So geht die Sachkenntnis vor die Hunde

  • -Aktualisiert am

Bild: Verlag

Das „Schwarzbuch Tierarzt“ der Veterinärin Jutta Ziegler ist zum Bestseller geworden - mit fragwürdigem Verfahren: Forschung und Recherche zählen wenig, Esoterik und Verschwörungstheorien um so mehr.

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          Die Zahl der Hunde in deutschen Haushalten sinkt, die Zahl der Katzen stagniert. Vor allem die jüngere Generation hält sich keine Haustiere mehr: Die Tierhalter bis 39 Jahre werden stetig weniger; nur noch ein Viertel aller deutschen Haustiere lebt bei unter 40 Jahre alten Besitzern. Der Hund, ebenso wie das Kind, ist die Ausnahme geworden - wohl, weil beides so schwer zu vereinbaren ist mit dem Arbeitsleben in einer mobiler werdenden Gesellschaft.

          Wer es doch wagt, sich eins von beiden zuzulegen, lässt sich offenbar auf ein äußerst fragiles Konstrukt ein. Das suggeriert zumindest die Flut an Ratgeberbüchern zu den Themen Ernährung, Erziehung, medizinische Behandlung oder schlicht: Alltagsbewältigung. Eines der Bücher aus diesem florierenden Genre hat es jetzt in die allgemeinen Bestsellerlisten geschafft: Das „Schwarzbuch Tierarzt“, angekündigt als Enthüllungsbericht, sucht nach Ursachen, Schuldigen und einfachen Lösungen. Das Buch ist seit vier Monaten auf dem Markt und derzeit regelmäßig in den Top Ten der politischen Bücher bei Amazon zu finden - nach Thilo Sarrazin und Walter Kohl zwar, aber noch vor „Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt“ und dem Tagebuch der Anne Frank. Mehr als vierzig euphorische Leser schreiben bei amazon.de positive Bewertungen, schildern das Leseerlebnis als Offenbarung und fühlen sich erstmals verstanden. 9000 Exemplare setzte die Autorin, eine in Österreich praktizierende Tierärztin aus Deutschland, zunächst über „Books on Demand“ ab. Fast noch einmal so viele Bücher wurden anschließend verkauft, nachdem der Münchner MVG-Verlag das Buch unter Vertrag genommen hatte.

          Eine Wissenschaft für sich

          Das „Schwarzbuch Tierarzt“ ist eine simpel gestrickte Sammlung von Fallbeispielen aus der Praxis der Autorin Jutta Ziegler. Die Veterinärin berichtet über Paule, den Labrador mit Allergieproblemen, über Kater Felix, der unter Harnsteinen leidet, über übergewichtige, hyperaktive und krebskranke Haustiere. Acht Kapitel braucht sie, dann hat sie die häufigsten chronischen Stoffwechselerkrankungen der Haustiere durchexerziert. Jedes dieser Kapitel steuert selbstbewusst auf die Nennung von Schuldigen zu: Es sind die Tierärzte. Ihre Gier, so Ziegler, lasse sie Impfungen, Fertigfutter und Spezialnahrung aggressiv vermarkten, obwohl all diese Produkte die Leiden angeblich nicht nur verschlimmern, sondern sogar auslösen. Auch Gerätemedizin und anspruchsvolle Diagnostik - etwa mit Hilfe von Magnetresonanztomographen - sind der Autorin suspekt.

          Sie propagiert die Rückkehr zu einer therapeutischen Herangehensweise, die auf Abwarten setzt statt auf schnelle Problemerkennung und sofortige Intervention. Es ist die Rückkehr zur Veterinärmedizin der Fünfziger und Sechziger, als man notgedrungen vieles auf sich beruhen lassen musste, weil die Praxen noch ohne Röntgen- und Ultraschallgeräte auskommen mussten und man kaum wissenschaftliche Erkenntnisse über die Krankheiten von Hund und Katze besaß. Manchmal ging das gut, und die Symptome verschwanden. Manchmal nicht.

          Ziegler ist überzeugt, dass die gängigen Haustierkrankheiten - von Adipositas über Diabetes bis hin zu Verhaltensstörungen - sich durch die Fütterung von rohem Fleisch in den Griff bekommen lassen. „Biologisch artgerechte Rohfütterung“, kurz „Barf“, heißt dieses Konzept, das seit den neunziger Jahren immer populärer wird. Auch in Deutschland hat „Barf“ viele Anhänger gefunden. In Internetforen wie gesundehunde.com tauschen sich Hundebesitzer über Rezepte und Bezugsquellen aus, denn „Barfen“, so das inzwischen geläufige Verb zur Futterreligion, ist eine Wissenschaft für sich: Wer seinen Hund mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt wissen will, muss etwa Lende mit Leber mischen, Knochenmehl unterrühren, Pansen hineinstückeln und außerdem gekochte Möhren als Beilage servieren.

          Impfungen werden zu Sündenböcken

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