https://www.faz.net/-gr3-6lmuw

Jürgen Todenhöfer: Teile dein Glück und du veränderst die Welt : Ich habe das Glück fünfzig Jahre lang am falschen Ort gesucht

Bild: Verlag

Das neue Buch von Jürgen Todenhöfer gibt Einblicke in ein ebenso erfolgreiches wie versehrtes Leben. Heiter im Duktus, ist es ein Dokument moralischer Empfindlichkeit.

          5 Min.

          Hinter dem Freimut, mit dem Jürgen Todenhöfer über biographische Niederlagen und Lebenslügen spricht, steht auf jeder Seite seines neuen Buches die Freude, ja Ehrfurcht über „dieses kurze Seindürfen“, wie es der Siebzigjährige nennt. Dass er überhaupt ist und nicht etwas nicht, ist für Todenhöfer keine abstrakte philosophische Überlegung, sondern der Witz jeden Tages. Präzise erinnernd erzählt er aus seinem Leben wie ein Pausenclown (so Todenhöfer über sich selbst), der durch das Stück eines politischen Tausendsassas und langjährigen Medienmanagers führt.

          Christian Geyer-Hindemith

          Redakteur im Feuilleton.

          Bei allem Schwanken zwischen Demutsgesten und Koketterie ist ihm ein beinahe kindlich-staunendes Buch gelungen. Der leichte, nicht selten heiter-humorvolle Tonfall wechselt mit Maximen in der Tradition barocker Klugheitsregeln, die Todenhöfer einstreut, teils mit ausdrücklicher Berufung auf Klugheitslehrer wie Baltasar Gracián und dabei keinen Zweifel lassend, dass es nicht etwa um Glücksrezepte geht, sondern um sich gern auch widersprechende Empfehlungen, die erst in der Lebenssituation Gestalt gewinnen, sollen sie nicht leere Sprüche bleiben.

          Ideale schlagen Zynismus

          „Ich habe das Glück fünfzig Jahre lang am falschen Ort gesucht“, gesteht Todenhöfer in nachgerade augustinischer Zerknirschung. „Ich habe es gesucht im süßen Leben, das ich als Jugendlicher trotz leerer Taschen reichlich genossen habe. Im Ruhm, der sich allerdings nur kurz für mich interessierte. Und im Wohlstand, um den ich hart kämpfen musste. In all diesen Dingen habe ich es nicht gefunden. Heute weiß ich, dass man das wahre Glück nicht in materiellen Dingen, nicht in Äußerlichkeiten suchen darf. Sondern nur in sich selbst.“ Man stutzt zunächst über derartige Konfessionen.

          Sie scheinen, wenn nicht naiv, dann doch von einer solchen Allgemeinheit, dass jeder sich mit ihnen einverstanden erklären, jeder sie als Versuchungen seines eigenen Lebens darlegen könnte. Und doch machen sie im Kontext der konkreten biographischen Erzählungen eher staunen darüber, dass hier eine Figur aus dem politischen und medialen Hochbetrieb offenkundig nicht dem Zynismus verfallen ist, dass hier jemand Ideale behauptet, ohne sie gleich wieder psychologisierend zu entmachten und sich im Gegenteil an diesen Idealen zu messen bereit ist. Das verdient für sich genommen schon Respekt und hat als Lebenshaltung der Dankbarkeit und Demut etwas Anrührendes gerade bei jemandem, den man als provokanten Politiker und durchsetzungsstarken Manager im Gedächtnis behalten hat.

          Geh durch die dunklen Täler, immer weiter bis zum Ziel

          „Ab meinem zweiundzwanzigsten Lebensjahr habe ich mich endlich, dann aber viel zu sehr in die Arbeit gestürzt. In meiner Arbeitswut habe ich es versäumt, den Menschen, die bereit waren, meine Wege mitzugehen, die Aufmerksamkeit und Liebe zu schenken, die sie brauchten. Irgendwann habe ich sie alle verloren. Es wurde schwer, mit mir zu leben - selbst für mich.“

          Weitere Themen

          «Gabriel» von George Sand Video-Seite öffnen

          Spielplanänderung : «Gabriel» von George Sand

          Jella Haase, bekannt aus „Fack ju Göhte“ und „Berlin Alexanderplatz“, entdeckt unter der Regie der jungen Regisseurin Laura Laabs die Abgründe des kapitalistischen Systems und das anarchistische Wesen des weiblichen Geschlechts in einem bislang noch nicht uraufgeführten Text der französischen Schriftstellerin George Sand.

          Wenn Papa stirbt

          FAZ Plus Artikel: Umgang mit Trauer : Wenn Papa stirbt

          Nives Sunara hat vor drei Jahren ihren Mann verloren. Sie erzählt, wie sie und ihr Sohn es geschafft haben, trotz der Trauer wieder ein normales Leben zu führen – und weshalb es nicht reicht, es nur überleben zu wollen.

          Topmeldungen

          Das Coronavirus brachte die Aktienmärkte durcheinander. Wie geht es im nächsten Jahr weiter?

          Chancen am Aktienmarkt 2021 : Alles Corona oder was?

          Für Reise- und Luftfahrt-Titel brauchen Anleger gute Nerven, die Pharmabranche ist einen Blick wert. Was sind die Chancen für das Jahr 2021? Wir geben den Überblick in einer neuen Serie zur Geldanlage.

          Am Tag des Corona-Gipfels : RKI meldet Rekordzahl an Todesfällen

          Zum ersten Mal starben an einem Tag mehr als 400 mit dem Coronavirus infizierte Menschen in Deutschland. Auch die Zahl der Neuinfektionen ist weiterhin ein Anlass zur Sorge. Heute wollen Bund und Länder sich auf neue Maßnahmen einigen.
          Mit dem Zeltlager am Platz der Republik in Paris wollte ein Flüchtlingshilfeverein am Montag auf die ungelöste Unterbringungsfrage für Asylbewerber und illegal eingereiste Migranten aufmerksam machen.

          Abgelehnte Asylbewerber : Letzte Hoffnung Frankreich

          Viele in Deutschland und anderen EU-Staaten abgelehnte Asylbewerber fliehen nach Frankreich. Hier werden die Anträge weniger streng geprüft. Die französische Migrationsbehörde sieht sich als Opfer der europäischen Asylpolitik.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.