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Jürgen Habermas : Arbeit am Phantomschmerz

Sollte man auf die öffentlich-rechtliche Einrichtung der gesamten Öffentlichkeit setzen müssen? Jürgen Habermas spricht vor vier Jahren im ZDF-Hauptstadtstudio. Bild: dpa

Jürgen Habermas diagnostiziert die Folgen von Internet und sozialen Medien für die Demokratie. Dabei vermeidet er aber die Frage nach der tatsächlichen Aufgeklärtheit des politischen Publikums.

          3 Min.

          Jürgen Habermas hält einen neuerlichen Strukturwandel der Öffentlichkeit fest. 1962 hatte er seine Habilitationsschrift unter diesem Titel vorgelegt und damit auch schon sein auflagenstärkstes Buch geschrieben. 1990 hat er in einem Vorwort kommentiert, was inzwischen an Forschung zu seinem Thema vorgelegt worden war: zum Verfall der ursprünglich aufklärerisch gemeinten, bürgerlichen Öffentlichkeit durch die Dominanz von Privatinteressen an Massenmedien. Jetzt buchstabiert er in einem langen Aufsatz die politischen Folgen aus, die das Internet und seine Plattformen für die Demokratie haben sollen. Keine guten.

          Jürgen Kaube
          Herausgeber.

          Für Habermas ist es die wichtigste Aufgabe der Öffentlichkeit, zur demokratischen Willensbildung in Verfassungsstaaten beizutragen. Dem kann etwas abgewinnen, wer den politischen Teil einer Tageszeitung liest oder von den Talkshows im Fernsehen nicht loskommt. Kunden eines Bahnhofskiosks hingegen würde auffallen, wie gering hier der Umfang der zum politischen Nachdenken einladenden Publikationen ist, etwa im Vergleich zu den Ratgebern (Essen, Wohnen, Kleidung, Finanzen, Freizeitsport) und der bloßen Unterhaltung (True Crime, Krankheiten und Heiraten der Stars oder des Adels). Im Fernsehen haben die Abteilungen für Spaß und Spannung jeden Niveaus das Heft ebenfalls in der Hand. Die Talkshow ist keine ideale Sprechsituation.

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