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Ideologie und Denkverbote : Die kulturelle Elite hat ein Faible für Opfer

Hantiert mit den Begriffen „Rassismus“ und „Sexismus“ und wendet sie gegen jene, die sie zumeist im Munde führen: Judith Sevinç Basad Bild: Björn Engeloch

Immer diese „Social-Justice-Warriors“: Judith Sevinç Basad polemisiert gegen Identitätspolitik, Sprachbereinigungen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

          5 Min.

          Ein Begriff, den Judith Sevinç Basad in ihrem Buch „Schäm dich!“ mit am häufigsten verwendet, lautet „natürlich“. „Natürlich“, schreibt sie, „gibt es Diskriminierungserfahrungen von Minderheiten.“ Oder: „Natürlich sollten wir eine sexismusfreie Gesellschaft anstreben.“ Und: „Natürlich ist es unangenehm für Menschen, die nicht wie der typische Deutsche aussehen, immer wieder dieselben Fragen nach der Herkunft zu hören.“ Oder: „Natürlich – das ist doch klar – sind Morddrohungen gegen Menschen mehr als verwerflich.“ So zieht es sich durch Basads Buch. Und stets folgt auf diese Feststellungen ein „Aber“.

          Jörg Thomann
          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Diskriminierte Migranten, Sexismus und Morddrohungen gegen – linke – Aktivisten nämlich sind nicht die Themen, mit denen Judith Sevinç Basad sich beschäftigen möchte, und die vielen „Natürlichs“ dienen ihr als Legitimation, sie weitestgehend außen vor zu lassen. Auf die „Abers“ wiederum folgen jene Themen, die ihr wirklich wichtig sind: die identitätspolitischen Umtriebe der „Social-Justice-Warriors“, eines von der amerikanischen Rechten geprägten Schmähwortes. Diese Gruppe, so Basads Urteil, hinterlasse auf ihrem Feldzug für soziale Gerechtigkeit nicht nur verbrannte Erde, sondern jede Menge Opfer. Und zwar nicht nur unter jenen, gegen die sich ihre Angriffe vorrangig richten, unter den heterosexuellen weißen Männern nämlich, sondern auch unter jenen, für die sie sich vermeintlich ins Gefecht werfen.

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