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Josef Quitterer und Georg Gasser: Die Aktualität des Seelenbegriffs : Was es heißt, lebendig zu sein

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Neue Perspektiven für eine Philosophie des Geistes: Drei Bücher von Philosophen, Journalisten und Politikwissenschaftlern fragen, wie es in Zeiten der Neurobiologie um die Seele steht.

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          Die neurowissenschaftliche Reduktion der menschlichen Subjektivität auf messbare und mit Hilfe der modernen bildgebenden Verfahren darstellbaren Gehirnvorgänge verdankt ihre Überzeugungskraft einer mit dem Gestus der Selbstverständlichkeit präsentierten, in Wahrheit aber höchst voraussetzungsreichen Unterstellung. Zum Credo der meisten Vertreter reduktionistisch-naturalistischer Positionen gehört die Überzeugung, dass auf die Frage nach der Urheberschaft menschlicher Handlungen nur zwei Antworten in Betracht kämen.

          Entweder man operiere mit der Annahme eines von seinem Leib, seinen Gefühlen und seinem Lebensvollzug abgekoppelten, cartesianischen Ich, das in unumschränkter Souveränität eine Entscheidung treffe und dem Körper deren Ausführung aufoktroyiere. Ein solches ortlos-immaterielles Ego, von dem zudem ganz unklar ist, wie es auf die materielle Welt soll einwirken können, lässt sich freilich leicht als metaphysische Chimäre abtun. Dann aber, so fahren die Verfechter der Naturalisierungsstrategie fort, verbleibe nur die Möglichkeit, das Gehirn selbst als Urheber von Handlungen anzusehen.

          Gespenst mit Steuerfunktion

          Wer so argumentiert, unterliegt einem doppelten Missverständnis, wie die Beiträge des von den Innsbrucker Theologen Georg Gasser und Josel Quitterer herausgegebenen Sammelbandes zeigen. Erstens überschätzen die Vertreter naturalistischer Positionen regelmäßig die Reichweite und Begründungskraft naturwissenschaftlicher Befunde. Der Mediziner Martin Kurthen legt eindringlich dar, dass die Neurowissenschaft als praktizierte Naturwissenschaft nicht weiter gelangen kann als zu einer Behauptung der Koinzidenz oder zeitlichen Korrelation von zerebralen und kognitiven mentalen Prozessen.

          „Die Beziehung (Identität? Supervenienz? Interaktion? Parallelität?) zwischen beiden Klassen von Prozessen kann sie nicht thematisieren, weil mentale Prozesse und somit auch Beziehungen zwischen neuralen und mentalen Prozessen nicht zu ihrem Gegenstandsbereich gehören.“ Diese Frage fällt vielmehr in den Zuständigkeitsbereich der Philosophie. Zweitens bleibt nach den Ausführungen des Theologen Tobias Kläden in den meisten naturalistischen Theorien das vordergründig verworfene dualistische Bild des Geistes als Gespenst mit Steuerfunktion in der Körpermaschine untergründig erhalten. „Nur besteht nun ein Dualismus zwischen dem Gehirn, das die zentrale Steuerfunktion des menschlichen Körpers übernimmt, und dem Rest des Körpers.“

          Das Sein dieses Seienden

          Die Gegenposition zum cartesischen Dualismus geht auf Aristoteles und seinen Schüler Thomas von Aquin zurück. Diese begreifen den Menschen ebenso wie jedes andere Lebewesen als ursprüngliche und wesentliche Einheit. Mentale und physische Entitäten sind für sie keine quantitativ zu bestimmenden Einzelteile, sondern nur auf begrifflicher Ebene zu unterscheidende Konstitutionsprinzipien des einen Lebewesens Mensch. In den Worten Klädens wird der Bereich des Mentalen „somit nicht als ein verdinglichter und abgrenzbarer Kontroll- und Steuerungsmechanismus im Inneren des Organismus angesehen, sondern eher als ein gestalthaftes, strukturverleihendes Gesamt von Fähigkeiten und Dispositionen des ganzen Organismus.“

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