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John MacCormick: „Nine Algorithms That Changed the Future“ : Computer sind auch nur Menschen!

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Bild: verlag

Algorithmen prägen unseren Alltag - beispielsweise in Suchmaschinen. John MacCormick erklärt die neun wichtigsten und zeigt gleichzeitig die Grenzen des Computers.

          2 Min.

          Die Situation ist kurios: Algorithmen bestimmen unser Leben. Sie sorgen dafür, dass Suchmaschinen die Informationen finden, dass Musik- und Videodateien ohne Aussetzer übertragen werden oder dass Informationen zugriffssicher verschlüsselt werden. Dennoch interessieren sich wenige Menschen für diese Algorithmen. Alles, was mit Computern zu tun hat, wird auf die reibungslose Bedienung von Geräten reduziert. Mit einer Posterkampagne versucht die deutsche „Gesellschaft für Informatik“ gerade, diese Situation zu beheben. Große Persönlichkeiten sollen das Interesse für das als abstrakt und fremd empfundene Fach wecken. Das erste Poster zeigt Alan Turing, dessen hundertster Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird.

          Einen anderen Weg geht John MacCormick, der „Computer Science“ - also Informatik - in Pennsylvania lehrt. Sein Buch erklärt die neun wichtigsten Algorithmen, die unseren Alltag prägen. Damit die Algorithmen für jedermann verständlich werden, greift MacCormick zu anschaulichen, aber auch ungewöhnlichen Beispielen. So wird die Public-Key-Kryptographie mit ihrem Zusammenspiel von privaten und öffentlichen Schlüsseln wunderbar einfach mit dem Mischen von Farben erklärt.

          Fehlerkorrektur und Suchalgorithmen

          Zu den Stärken MacCormicks gehört, dass er bei der Erklärung der Algorithmen immer die historischen Umstände erzählt, unter denen ein Problem erkannt und mit einem trickreichen Algorithmus computerlösbar gemacht wurde. So erfährt der Leser vom Schicksal der britischen Forscher, die das mit Farbtöpfen beschriebene Verschlüsselungsproblem als Erste lösten, aber davon nichts verraten durften, weil ihre Arbeit bis 1997 als „streng geheim“ galt. Er erfährt auch vom Ärger eines Forschers, dem ein Computer den Großteil der Forschungsergebnisse zerstörte - woraus der Algorithmus hervorging, der Übertragungsfehler beim Datentransport automatisch korrigiert. Ohne ihn wären mega- und gigabytegroße Dateien praktisch nutzlos.

          Die neun Algorithmen, die MacCormick ausgewählt und erklärt hat, sind durch die Bank wichtig. Neben Fehlerkorrektur und Kryptographie wird der Suchalgorithmus der ersten Suchmaschinen besprochen und auch jener, mit dem der Aufstieg des Konzerns Google begann. Algorithmen zur Mustererkennung, Datenkompression, für Datenbanken und elektronische Signaturen runden die Darstellung ab.

          Und am Ende weiß der Leser auch, wo die Grenzen des Computers liegen. Denn die naheliegende Frage nach dem zehnten Algorithmus beantwortet MacCormick mit dem Hinweis auf die bahnbrechende Erkenntnis von Alan Turing und Alonzo Church aus den späten dreißiger Jahren: Es gibt Probleme, die niemals von einem Computer gelöst werden können. Die Erklärung dieser These ist ein vergnüglicher Ausflug in die Welt der abstürzenden Computersysteme und räumt die IIllusion beiseite, es könne fehlerfreie Software geben. Auch dieses Wissen hilft, vor allem, wenn die Ignoranz in Dämonisierung umschlägt. Computer dominieren unseren Alltag, aber sie sind nicht böse.

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