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John Dickie: Delizia! Die Italiener und ihre Küche : In den Städten kamen sie auf den Geschmack

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Bild: Verlag

Warum essen die Italiener eigentlich so gut? Der britische Autor John Dickie hat beim Versuch, diese Frage zu beantworten, ein schönes und ungewöhnliches Buch über Rezepte und ihre Geschichte geschrieben.

          Italiener reagieren gemeinhin mit Skepsis, wenn sich Ausländer in zwei ihrer heikelsten Themen mischen: Mafia und Küche. Denn über beides wissen eigentlich nur die Italiener aus erster Hand Bescheid. Nach seiner umfangreichen Geschichte über die italienische organisierte Kriminalität, die vor drei Jahren unter dem Titel „Cosa nostra“ erschien und auch in Italien einhellig positive Reaktionen hervorrief, wagt sich der englische Historiker und Romanist John Dickie nun an das zweite heiße Eisen: die Geschichte der italienischen Küche. „Delizia“ ist jedoch glücklicherweise nicht wie soviele andere Veröffentlichungen der Versuch eines Schnellkochs, italienische Rezepte im schlimmsten Fall auf den englischen oder deutschen Gaumen herunter zu nivellieren.

          John Dickie ist ernsthafter und trotzdem unterhaltsam. Seine Grundfrage lautet: Wie kommt es überhaupt, dass die Italiener so gut essen? Bei der Beantwortung dieser Frage sind wir alle stark von Mythen, von Werbung und Kino beeinflusst. Das Bild einer Landtrattoria, in sanften Toskanahügeln und mit einer Allee von Zypressen davor, erweckt in uns die verheißungsvolle Vorstellung von einem köstlichen Essen mit einer hausgemachten Pasta und einem Glas Chianti. Auch viele Italiener selbst würden glauben, die gute italienische Küche könne nur aus ihren fruchtbaren Landgefilden kommen.

          Schmalhans war kein guter Küchenmeister

          Aber John Dickie hat die Geschichte der italienischen Küche seit dem Mittelalter genauer unter die Lupe genommen und kann nachweisen, dass sie keineswegs auf dem Landleben, sondern allein auf der italienischen Stadtkultur fußt. Wollte man diese Geschichte anhand des Lebens der italienischen Bauern seit dem Mittelalter erzählen, ergebe sich ein trauriges Bild: Armut und Entbehrung brachten kümmerliche Rezepte hervor aus Mais- und Hirsebrei, Bohnen und Zwiebeln. Dazu passt ein italienisches Sprichwort: „Wenn der Bauer ein Huhn isst, ist entweder der Bauer krank oder das Huhn“. Es erzählt von einer traurigen Realität, die im ländlichen Italien bis in die Zeit des Wirtschaftaufschwungs der 1950erJahre herrschte. Was wir heute unter typisch italienischer Küche verstehen, hat sich in seiner Breitenwirksamkeit und Vielfalt erst seit der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts im Bürgertum entwickelt.

          Bereits im frühen Mittelalter hat Dickie allerdings Spuren dessen gefunden, was wir heute Pasta nennen und was damals lediglich Zubereitungen von Getreide waren, die als Klösschen (gnocchi), Teigblätter (lasagne) oder geschnittene Streifen in Wasser oder Brühe gekocht wurden und meistens insgesamt „maccheroni“ genannt wurden. Das kommt von „maccare“, zerstampfen.

          Pasta-Legenden

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