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Jens Söring: „Nicht schuldig“ : Die Sache mit diesem Sockenabdruck

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Bild: verlag

Ist er das „German Monster“? Jens Söring, ein wegen Doppelmordes verurteilter Diplomatensohn, erzählt von seinem Begehren, hadert mit der amerikanischen Justiz und erfleht eine zweite Chance.

          Wenn Jens Sörings Kriminalgeschichte die Vorlage zu einem Drehbuch wäre, würden sich für die Regie zwei Regisseure empfehlen. Seine fatale Begegnung mit Elizabeth Roxanne Haysom - attraktiv, klug, zerstörerisch - sowie den späteren Doppelmord an ihren Eltern und die Kriminalodyssee bis zum Urteilsspruch kann man sich von Quentin Tarantino verfilmt vorstellen. Der junge Diplomatensohn, der sich selbst als intelligent, aber unattraktiv und unerfahren gegenüber Mädchen beschreibt, gerät 1984 an der Universität von Virginia an die zwei Jahre ältere, nicht nur ihn faszinierende Studentin aus der Lokalaristokratie.

          Die lesenswerten Passagen in „Nicht schuldig“, in denen er diese schicksalhafte Begegnung rekonstruiert, sind voller Bekenntnisse zu seelischer Hingabe und explosiver Sexualität. Sie sind beide hochbegabt, aber dass die beiden zueinander finden, verblüfft die Kommilitonen. Sein Rückblick auf die seligmachende Romanze wird überschattet vom Bewusstsein, dass sie am Ende schreckliche Schuld auf sich laden werden. Später wird ihm ein Psychiater gutachterlich eine „Folie à deux“, eine induzierte wahnhafte Störung, attestieren, bei ihr eine Borderline-schizophrenie und eine pathologische Neigung zum Lügen diagnostizieren.

          Verurteilt zu zweimal lebenslanger Haft

          Von Anfang an verknüpfen sich Sörings Reminiszenzen an das verglühte Begehren mit Selbstvorwürfen, dass er frühen dunklen Ahnungen nicht nachging. Sie hätten ihn vor der labilen Schönheit bewahrt, die ihn obsessiv betörte und in den menschlichen Abgrund führte. Denn in einer Märznacht des Jahres 1985 liegen schließlich die Eltern Haysom ermordet, blutüberströmt auf dem Fußboden ihres Hauses, und Jens und Elizabeth beginnen eine lange Flucht durch Asien und Europa.

          Sie verstecken sich und suchen Wege in eine Normalität, die es weder emotional noch beruflich geben kann. Sie leben vom Scheckbetrug und machen das offenbar technisch gar nicht so schlecht, jedenfalls eine Zeitlang. Am Ende, im Mai 1986, landen sie schließlich doch in einem englischen Gefängnis und werden dort von den Morden in Virginia eingeholt. Nach jahrelangem juristischem Tauziehen wird auch Jens Söring ausgeliefert, 1990 folgt die Verurteilung wegen Doppelmordes zu zweimal lebenslanger Haft. Elizabeth bekommt „nur“ neunzig Jahre, da sie gesteht, ihren Liebhaber zur Tat angestiftet zu haben.

          Schuld, Sühne und Sinn

          Jens Söring aber beharrt schon im Gerichtsverfahren darauf, dass er unschuldig ist. Er habe den Doppelmord nicht begangen! So sagt er es dem Richter und widerruft sein Geständnis, das er den Ermittlern gegenüber abgelegt hatte. Ja, das Geständnis war mit Elizabeth abgesprochen, räumt er ein - aus Liebe, nachdem sie eines Abends blutverschmiert und außer sich bei ihm aufgekreuzt war und ihm gebeichtet hatte, ihre Eltern getötet zu haben. In dieser Verzweiflung wollte er sie schützen und ihre Beziehung durch seine Irrsinnstat retten und womöglich kräftigen. Man glaubt ihm diese zweite Version nicht. Er hat das Geständnis ohne Anwalt gemacht; er war jung; er glaubte, als Diplomatensohn besonders geschützt zu sein; er hofft auf einen Prozess in Deutschland. Lauter Fehler und Irrtümer!

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