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J. Scholtyseck: Der Aufstieg der Quandts : Den Profit vor Augen und über alle Skrupel hinweg

  • -Aktualisiert am
          5 Min.

          Zum Beispiel BEM. Die „Berlin-Erfurter Maschinenfabrik“, gegründet und bis zu seinem Tod 1931 von Henry Pels, einem jüdischen Kaufmannssohn aus Hamburg, geführt, war ein hochmoderner Werkzeughersteller, spezialisiert auf Maschinen zur Metallbearbeitung. 1937 wurde die BEM den Deutschen Waffen und Munitionsfabriken (DWM) „angegliedert“, wie es nüchtern im Geschäftsbericht der DWM heißt. „Arisierung“ wäre das treffende Stichwort. Die Fabrik hatte die Begehrlichkeit der DEW geweckt. Der Hauptaktionär der BEM, Fritz Heine, war der Schwiegersohn von Henry Pels und - wie auch seine Frau Johanna und die gemeinsamen Kinder - protestantisch getauft; die Kinder wussten nicht einmal um ihre jüdische Herkunft. Heine, ein Berliner Arzt, hatte 1931 die Verantwortung für BEM übernehmen müssen, weil der eigentliche Firmenerbe, der einzige Sohn des Gründers, als Offizier im Ersten Weltkrieg gefallen war.

          Heine war selbst Kriegsteilnehmer und schwer verwundet worden. Am 29. Mai 1937 wurde er als „Nichtarier“ gezwungen, als Mehrheitsaktionär und Vorsitzender des Aufsichtsrats der BEM auszuscheiden. Sein Aktienpaket an der BEM wurde vermutlich gegen Reichsanleihen mit einem Nennwert von 500 000 Reichsmark getauscht. Der nominelle Wert von Heines BEM-Aktien lag bei knapp zwei Millionen Reichsmark, der eigentliche Wert dürfte angesichts voller Auftragsbücher in Jahren der entfesselten Rüstung weit höher gewesen sein. Günther Quandt, Mehrheitsaktionär der DWM, freute sich über die günstige Erwerbung. Als er 1937 das BEM-Areal inspizierte, setzte er allein den Wert des Maschinenparks mit etwa drei Millionen Reichsmark an.

          Streit mit Goebbels

          Der Historiker Joachim Scholtyseck, der die bis heute unbekannte „Arisierung“ der BEM in seinem gerade erschienenen Buch „Der Aufstieg der Quandts“ beschreibt, hat keine Zweifel daran, dass Quandt „aktiv die Übernahme betrieb“. Die Hauptversammlung, auf der man Fritz Heine als Hauptaktionär hinausdrängte, fand im Firmensitz des Batterieherstellers AFA statt - später in Varta umbenannt -, deren Hauptaktionär und Aufsichtsratsvorsitzender Quandt war. Während die BEM unter Quandt lukrativ bei der Aufrüstung des auf den Krieg zueilenden Hitler-Deutschlands mitwirkte, als Zulieferer und später auch als eigenständiger Rüstungsproduzent etwa von Flugabwehrgeschützen für U-Boote, vertrauten die Heines weiterhin darauf, dass „der Spuk“ bald vorbei sein werde. Anders als ihre Kinder verließen sie Deutschland nicht. Ihre Staatspapiere hätten sie nur schwer und unter Wert verkaufen können, und als dekorierter Kriegsteilnehmer und Patriot setzte Fritz Heine darauf, dass es schlimmer nicht mehr kommen werde. Es kam. Mit dem sogenannten zweiten Berliner Judentransport am 24. Oktober 1941 wurden die Heines nach Lodz deportiert. Das Ehepaar hatte damit nach nationalsozialistischer Rechtsprechung das Reichsgebiet verlassen. So setzte man die „Reichsfluchtsteuer“ an und zog das Vermögen der Heines ein. Im November 1941 wurden Johanna und Fritz Heine im Vernichtungslager Chelmo ermordet.

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