https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/j-r-moores-buch-electric-wizards-17666037.html

Heavy-Musik : Die Entdeckung der Langsamkeit im Rock

  • -Aktualisiert am

Inspiriert von den Melvins, den Beatles und vom Glam-Rock: Kurt Cobain, Sänger und Gitarrist der Band Nirvana, live im Londoner Astoria Theatre. November 1991 Bild: Picture Alliance

Heute schon Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs gehört? J.R. Moores schreibt eine Geschichte der Heavy-Musik, die mit Metal allerdings nur am Rande zu tun hat.

          4 Min.

          Das Schönste an J.R. Moores’ Parforceritt durch 53 Jahre Musikgeschichte ist die Anmaßung, alle Erwartungen konsequent zu ignorieren. Wer in „Elec- tric Wizards. A Tapestry of Heavy Music“ ein Werk über die Geschichte des Heavy Metal vermutet, sollte sich lieber ins Archiv des „Metal Hammer“ begeben. Für alle anderen lohnt sich dennoch der Blick ins Buch.

          Der Autor, ein britischer Musikjournalist, gibt sich erst gar nicht mit den Genregrößen wie Iron Maiden, Pantera, Sepultura oder Slayer ab, mit denen Heavy-Metal-Zeitschriften seit Jahrzehnten ihre Cover pflastern. Die Urväter des Genres, das trotz aller langen Haare sehr konservativ sein kann – Led Zeppelin oder, mehr noch, Judas Priest –, benennt er nur beiläufig. Bands neueren Datums wie Cradle of Filth oder Children of Bodom kommen gar nicht vor, ebenso wenig wie die Headliner des Progressive Metal, Dream Theater, Devin Townsend oder King’s X.

          Höchst unterschiedliche Stile

          Sympathischerweise nimmt Moores dieser Kritik gleich den Wind aus den Segeln: „This book was never intended to be a comprehensive chronicle of all heavy music“, dieses Buch sollte nie eine umfassende Heavy-Chronik werden, heißt es im Vorwort. Das ist natürlich eine Untertreibung. Denn Moores schreibt kein lückenhaftes Buch über eines der langlebigsten Rock-Genres, er schreibt überhaupt kein Buch über Heavy Metal. Vielmehr spürt er der „Heavyness“ nach, die der Autor als Kombination aus Kraft und Emotion in der Musik von Künstlern definiert, die mehr Wert auf Texte und originelle Sounds legen als auf Virtuosität oder technische Fähigkeiten.

          J.R. Moores: „Electric Wizards“. A Tapestry of Heavy Music, 1968 to the Present.
          J.R. Moores: „Electric Wizards“. A Tapestry of Heavy Music, 1968 to the Present. : Bild: Reaktion Books

          Insofern ist das Buch eher ein subjektiver Streifzug voller Anekdoten durch die Geschichte härterer Gitarrenmusik, die sich aus den Underground-Clubs in den USA und Europa hoch in die Vorstandsetagen des kommerziellen Erfolges entwickelt hat – mit den Höhepunkten Stoner Rock und Grunge. Allesamt Sammelbezeichnungen für höchst unterschiedliche Stile, die die Liebe zur Gitarre teilen, ohne in Flitzefingersoloorgien auszuarten. Nach dem Motto: Melvins statt Joe Satriani, The Jesus Lizard statt Yngwie Malmsteen.

          Paul McCartney antwortet auf The Who

          Moores entwickelt seine Tour d’Horizon entlang seiner Helden wie der aufgelösten Grunge-Band TAD oder der englischen Combo Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs. Gelegentlich nimmt er fragwürdige Abzweigungen, etwa zu den Nu-Metal-Rap-Rockern von Limp Bizkit oder den Hair-Metallern von Mötley Crue. Deren Song „Girls Girls Girls“ dient Moores als besonderes Negativbeispiel oberflächlicher Posermucke.

          Doch bevor der Autor weitere Einblicke in seine Sicht der Dinge erlaubt, schlägt er zwei Schlenker, von denen einer originell, der andere eigentlich vorhersehbar, in Moores plakativem Wunsch, das Vorhersehbare zu umgehen, wieder originell ist: Die Geschichte der „Heavyness“ lässt er mit dem Jahr 1968 und dem Beatles-Lied „Helter Skelter“ aus der Feder Paul McCartneys beginnen. Der Song mit den verzerrten Gitarrenwänden, den Rückkopplungen und dem Schreigesang gilt als Antwort auf The Who, die mit „I Can See for Miles“ den ihrer Meinung nach härtesten Rocksong geschrieben haben.

          Weitere Themen

          Ein Schiffbruch wird belohnt

          Goldene Palme in Cannes : Ein Schiffbruch wird belohnt

          Der Schwede Ruben Östlund gewinnt für „Triangle of Sadness“ die Goldene Palme von Cannes. Die übrigen Preise zeigen die Verlegenheit der Jury angesichts des diesjährigen Festivalwettbewerbs.

          Topmeldungen

          Gottesdienst zu Christi Himmelfahrt: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (mit geneigtem Kopf), links neben ihm die Präsidentin des ZdK, Irme Stetter-Karp, und die Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne); rechts neben Steinmeier Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU)

          Kirchentag in Stuttgart : Das Echo aus der Kirche

          Den Katholikentag in Stuttgart dominiert das Thema sexueller Missbrauch. Doch es ist nicht die einzige Ursache der Krise der katholischen Kirche in Deutschland.
          Freudenschreie in den Nachthimmel über Paris: Real Madrid gewinnt die Champions League.

          Champions-League-Finale : Der Liverpooler Albtraum ist Real

          In der Schlussphase wirft der FC Liverpool nochmal alles nach vorne, doch das Team von Trainer Jürgen Klopp kämpft vergebens. Nach dem Endspiel der Champions League jubelt einzig Real Madrid.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Bildungsmarkt
          Alles rund um das Thema Bildung
          Sprachkurs
          Verbessern Sie Ihr Englisch
          Sprachkurs
          Lernen Sie Französisch