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„Für Prophet und Führer“ : Die phantasierte Religion

  • -Aktualisiert am

Mit Hakenkreuz und Halbmond: Kislowodsk im Kaukasus feiert das Ende des Ramadan. Bild: Harvard University Press

Im Zweiten Weltkrieg wurde auf allen Seiten um Muslime geworben. Doch die nationalsozialistische Islampolitik basierte auf grotesken Fehlurteilen.

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          Es gehört zum Standardrepertoire islamkritischer Kreise, eine Nähe zwischen Nationalsozialismus und Islam zu behaupten. Als Kronzeugen dafür werden vor allem Heinrich Himmler und der selbsternannte „Grossmufti von Palästina“, Amin al-Husseini, der sich im November 1941 in Berlin niedergelassen hatte, bemüht. Himmler phantasierte sich den Islam als besonders männliche Heldenreligion mit einem Kriegsgott an der Spitze zurecht. In David Motadels ursprünglich 2014 erschienenem und mit vielen Preisen ausgezeichnetem Buch über die nationalsozialistische Islampolitik der Jahre 1941 bis 1944 stößt man auf Himmlers phantastischen Islam.

          Der aus Deutschland stammende und an der London School of Economics unterrichtende Historiker hat mehr als ein bloßes Kompendium islampolitischer Maßnahmen von NS-Institutionen vorgelegt. Es gelingt ihm, die Quellen – viele von ihnen in historischen Studien bereits erschlossen – zu einer Erzählung zu verknüpfen, die vor Augen führt, wie sich der Islam in Freund-Feind-Schemata einpassen und entsprechend nutzen ließ. Motadel schließt sein Buch auch mit einem Epilog auf die jüngere und jüngste Vergangenheit, in dem die Kontinuität der von den Nationalsozialisten betriebenen „Instrumentalisierungen des Islams für Großmachtinteressen“ verfolgt wird.

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