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Raumfahrtmedizin in der DDR : Auf dem Weg zum Hyperdoping

  • -Aktualisiert am

Zu Ehren der Raumfahrer Valerij Bykowski und Sigmund Jähn erhielt die Berliner Springpfuhlstraße 1978 jenen Namen, unter dem sie bis heute bekannt ist. Bild: Picture Alliance

Sind sozialistische und neoliberale Formen der Selbstoptimierung miteinander verwandt? Ines Geipel schildert, wie die Raumfahrtmedizin der DDR den Körper erforschte.

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          Raumfahrt hatte für den marxistisch inspirierten Staatssozialismus nicht nur ökonomische, militärische und propagandistische Bedeutung. Sie war auch ein ideologisch-utopisches Projekt. Die „Eroberung des Weltalls“ führte den real existierenden Sozialismus an seine verschwiegenen futuristischen Wurzeln, an die etwa der „Sieg über die Sonne“ anknüpfte, die Oper des Autorenkollektivs um Kasimir Ma­lewitsch und Welimir Chlebnikov.

          Seither war es ein unterschwellig mitlaufender Nebensinn sozialistischer Revolution, nicht nur anders zu wirtschaften und Politik zu treiben als in den Jahrtausenden zuvor, sondern auch einen neuen Menschen zu schaffen: neue Innenwelten und neue Körper. „Der Mensch wird unvergleichlich stärker, klüger, feiner werden. Sein Körper – harmonischer, seine Bewegungen – rhythmischer, seine Stimme – musikalischer; die Formen des Seins werden eine dynamische Theatralik gewinnen. Der menschliche Durchschnitt wird sich bis zum Niveau eines Aristoteles, Goethe, Marx erheben. Über diesen Berggrat werden sich neue Gipfel erheben.“ So lauten die letzten Sätze von Leo Trotzkis Aufsatz „Lite­ratur und Revolution“ aus dem Jahr 1923. Aber ein Widerhall dieses transhumanistischen Umgestaltungsimpulses findet sich noch in dem bekannten Wort von Trotzkis Todfeind Stalin über die Schriftsteller als „Ingenieure der Seele“.

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