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: Im völkerrechtsfreien Raum

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Als in den vergangenen Wochen die Fotos auftauchten, auf denen deutsche Soldaten in Afghanistan mit Totenschädeln posierten, war viel von Moral und ethischen Grundlagen die Rede. Deutsche Soldaten, hieß es, hätten die Pflicht, als Botschafter der Demokratie aufzutreten. Sie seien nur als "charakterstarke Truppe gefestigter Menschen" wirkungsvoll.

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          Als in den vergangenen Wochen die Fotos auftauchten, auf denen deutsche Soldaten in Afghanistan mit Totenschädeln posierten, war viel von Moral und ethischen Grundlagen die Rede. Deutsche Soldaten, hieß es, hätten die Pflicht, als Botschafter der Demokratie aufzutreten. Sie seien nur als "charakterstarke Truppe gefestigter Menschen" wirkungsvoll. Kurz: Sie sollten sich gefälligst benehmen. Leider entsprach dieser Anspruch nur bedingt der Realität. Es ist kein Geheimnis, daß das Bildungsniveau in der Bundeswehr eher gesunken als gestiegen ist; daß hochqualifizierte IT-Spezialisten, Mediziner und Funker kaum noch für den Wehrdienst zu gewinnen sind, schon gar nicht, wenn sie in Auslandseinsätzen tatsächlich ihr Leben aufs Spiel setzen müssen; und daß der eine oder andere Soldat nicht mal den Namen der deutschen Bundeskanzlerin kennt.

          Außer Kontrolle

          Also wird wieder über die Zukunft einer Truppe diskutiert, die mit immer mehr Auslandseinsätzen ohnehin an die Grenzen ihrer Belastbarkeit geführt wird; den Anforderungen auf Dauer also weder ausrüstungstechnisch noch moralisch entsprechen kann. Die Diskussion ist wichtig. Allerdings fällt eine Sache dabei fast immer unter den Tisch: die Privatisierung des Militärs. Und das ist schon merkwürdig. Vielleicht sollte man, anstatt von "Schock-Fotos" einen Tag lang schockiert zu sein, lieber das Buch von Peter W. Singer lesen, "Die Kriegs-AGs - Über den Aufstieg der privaten Militärfirmen", um zu begreifen, was Zukunft im militärischen Bereich tatsächlich bedeutet (Zweitausendeins, 500 Seiten, 27,90 Euro). Es ist nicht in alarmiertem, aber in besorgtem Tonfall geschrieben und beschreibt, was passiert, wenn Staaten immer mehr Aufgaben des Militärs an private Firmen abgeben. Es ist die Geschichte eines Kontrollverlusts.

          Amerika jedenfalls läßt sich die Privatisierung des Kriegs längst ein Vermögen kosten. Jeder zehnte Soldat im Irak ist Angestellter einer privaten Firma. Das heißt nicht, daß diese Soldaten direkt in Kampfhandlungen eingreifen. Das tun manche, aber nur die wenigsten. Private Firmen bilden aus, bewachen Gebäude, sichern Straßen, eskortieren Konvois, führen nachrichtendienstliche Operationen durch oder sorgen - wie Kellogg, Brown & Root, eine Firma, die zum Halliburton-Konzern gehört - für die Sicherung der Logistik. Das verursacht Kosten in Milliardenhöhe. Die Einsparungen sind also definitiv keine ökonomischen, es sind politische. Ohne private Firmen müßte man in Amerika noch mehr Reservisten einberufen, also Wähler, die wiederum Angehörige haben. Die toten Privatsoldaten dagegen tauchen in den Statistiken nicht auf. Zahlen sind nicht erhältlich. Es ist, als hätte es sie nie gegeben.

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