https://www.faz.net/-gr3-tpjd

: Ich. Ich. Ich. Und ein Kakadu

  • Aktualisiert am

Diese Bücher werden Sie sicher durch den Winter bringen. Die können Sie sich schön auf dem Schreibtisch aufbauen, eins neben dem anderen, und es wird sein, als wenn Sie ganze Bibliotheken vor sich hätten. Sie können irgendwo anfangen, auf irgendeiner der insgesamt 4500 Seiten, und Sie werden sich hineinlesen in die unendliche Welt der Literatur.

          Diese Bücher werden Sie sicher durch den Winter bringen. Die können Sie sich schön auf dem Schreibtisch aufbauen, eins neben dem anderen, und es wird sein, als wenn Sie ganze Bibliotheken vor sich hätten. Sie können irgendwo anfangen, auf irgendeiner der insgesamt 4500 Seiten, und Sie werden sich hineinlesen in die unendliche Welt der Literatur. So wie es sein soll, ein Versinken, ein Suchen, ein Finden, ein neues Erahnen und altes Bewahren, ein Immer-immer-weiter-Lesen. So wie es sein soll bei Literaturgeschichten, bei Büchern, die das Schönste aufheben und neu erfahrbar machen und das Schlechte mit schönem Schwung verwerfen.

          Sie schaffen das alle, die vier Literaturgeschichten, um die es hier gehen soll, alle auf ihre Weise. Der ungarische Großschriftsteller Péter Esterházy schreibt eine "Einführung in die schöne Literatur", die schon vor zwanzig Jahren in Ungarn erschienen ist und erst jetzt, als Riesenwerk, den Weg zu uns gefunden hat und ein wunderliches Rätselwerk ist. Walter Muschgs "Tragische Literaturgeschichte" ist noch viel älter, vor beinahe sechzig Jahren zum ersten Mal erschienen, in der Zwischenzeit fast vergessen und jetzt bei Diogenes ganz neu herausgekommen, eine sagenhaft gebildete, buchkundige, stilvolle, streitbare Schrift über alles. Der Göttinger Germanist Wilfried Barner hat, gemeinsam mit seinem Germanistenteam, seine große, längst zum Standardwerk avancierte "Geschichte der deutschen Literatur von 1945 bis zur Gegenwart" auf den allerneuesten Stand gebracht und den Forschungsgegenstand so weit in die Gegenwart hinein verlängert, wie man es von Germanisten fast überhaupt noch nie gelesen hat. Und der "Focus"-Redakteur Rainer Schmitz hat in jahrelanger Sammelwut ein Literaturlexikon zusammengestellt, das die unsinnigsten, überraschendsten, neuesten und ältesten Wahrheiten aus der Bücherwelt enthält, die man sich vorstellen kann.

          Die Alge Grass

          Fangen wir mit dem mal an. Das ist ein echtes Tarzanbuch, in dem man sich von Begriff zu Begriff hangeln kann, von Buchstabe zu Buchstabe springen, von Geschichte zu Geschichte, und vieles hat man wirklich noch nie gehört, vieles auch zu Recht, weil es sich dabei um schrecklich unsinniges Wissen handelt. Die Häuser welcher amerikanischer Schriftsteller sind abgebrannt? (Morrison, Huxley, Ambler, Lowry.) Welche späteren Bestseller wurden zunächst von Verlagshäusern abgelehnt? ("Potter", "Parfum", "Pipi Langstrumpf".) Welche Alge wurde nach einem Schriftsteller benannt? (Fragilaria guenter-grassii, die 1992 in der Danziger Bucht entdeckt wurde.) Was ist eigentlich ein Buch? ("Nichtperiodische Publikation mit einem Umfang von 49 Seiten und mehr", definiert, bislang fast unbekannt, die Unesco und Jean Paul, sehr bekannt, etwas knapper: "Bücher sind nur dickere Briefe an Freunde".)

          Und so geht es weiter durch das Leben der Bücher. Von Unsinn zu Sinn, zu Lesebeginn und Leseende. Süchtig nach Gummibärchen waren übrigens Erich Kästner und Albert Einstein. Und Dürrenmatts Kakadu hieß Lulu, und als ihr Dürrenmatts zweite Frau im Alter von sechzig Jahren das Fliegen beibringen wollte, stürzte der Kakadu aus sechs Metern zu Tode. Aha, Sie fragen: warum sollte ich über das tragische Schicksal Lulus Bescheid wissen, wenn ich in Wahrheit doch nur Dürrenmatts Bücher lesen will? Berechtigte Frage, aber wenn Sie auf dieser Seite einfach weiterlesen, beim Kalevala-Eintrag unverwandt in die Tiefen der finnischen Volkssagenwelt hineingeraten, in die Sie sich wirklich nicht träumten hineinzugeraten, dann sind Sie auch mit Lulu und der Alge guenter-grassii schnell wieder versöhnt. Sie werden sehen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gefährliche Hitzewelle : Amerikas Sommer der Extreme

          In vielen Gegenden Amerikas herrschen derzeit gefährlich hohe Temperaturen. Städte wie New York müssen sich in Zukunft auf noch extremere Sommer einstellen, warnen Klimaforscher.

          Attacke von Tony Blair : „Johnson ist kein Dummkopf“

          Der frühere britische Premierminister Tony Blair sieht einer möglichen Regierung von Boris Johnson kritisch entgegen. Die CDU wiederum könnte sich vorstellen, dass Johnson positiv überrascht.
          Weiß, was uns fehlt: ARD-Hauptstadtkorrespondentin Kristin Joachim.

          Klimahysterie im Ersten : Wir müssen gezwungen werden!

          Von der ARD lernen heißt, gehorchen lernen. Den Eindruck bekommt man, wenn man abends die „Tagesthemen“ einschaltet oder morgens das Radio. Da werden Vorschriften gemacht, dass es nur so kracht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.