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Hugo Fischer über Lenin : Eben der menschlich normale totale Staat

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Der Politiker Wladimir Iljitsch Lenin spricht 1917 auf einem Platz in Petersburg Bild: Picture-Alliance

Im Frühjahr 1933 war es eingestampft worden. Heute lässt sich mit dem Buch des Leipziger Philosophen Hugo Fischer über den „Machiavell des Ostens“ ein Weg von Lenin zur konservativen Revolution finden.

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          Wenn sich am 30. Januar der Jahrestag der Machtergreifung der Nationalsozialisten jährt, dann steht dieses Datum zugleich für das Verschwinden des schon gedruckten „Lenin“ des Leipziger Philosophen Hugo Fischer. Die „Hanseatische Verlagsanstalt“, die rechtskonservatives Schriftgut verlegte und unter anderem 1932 Ernst Jüngers „Der Arbeiter“ herausgebracht hatte, stampfte die Auflage im Frühjahr 1933 ein, weil „das Thema schon rein als solches“ zu heikel schien, obwohl doch die nationalsozialistische „Reichsstelle zur Förderung des deutschen Schrifttums“ ein günstiges Urteil abgegeben hatte.

          Es ist nicht klar, wer den Rückzug in vorauseilendem Gehorsam initiierte, der Autor oder sein Verlag. Bis zum vorliegenden Neudruck existierten nur wenige übriggebliebene Buchblöcke. Einer davon gelangte über Carl Schmitt und Armin Mohler, den Vordenker der „Konservativen Revolution“, an den Mitherausgeber Manfred Lauermann.

          Fischer war seit Studientagen ein Freund Ernst Jüngers und zugleich mit dem Kreis um den Nationalkommunisten Ernst Niekisch verbunden. 1938 ging er nach Norwegen und arbeitete am Institut des Ökonomen Ewald Th. A. Bosse, der nach einem dritten Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus suchte. Dass Fischer Deutschland verließ, lag vor allem an seinen akademischen Gutachtern, die ihn für einen guten Philosophen, aber unbrauchbaren Hochschullehrer hielten. Eine Professur bekam er nicht.

          Nach der Verhaftung Niekischs 1937 fühlte Fischer sich nicht ohne Grund bedroht. Dafür, dass er sich aktiv am Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligt habe, wie der Klappentext behauptet, gibt es keinerlei Beweis. Als Deutschland Norwegen besetzte, wich Fischer nach England aus. 1956 kehrte er aus Indien nach München zurück, für eine Professur für Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität.

          Der russische Revolutionär als neuer Politiker-Typus

          Fischers Lenin-Buch besteht eigentlich aus zwei Teilen. Es empfiehlt sich, die sieben Kapitel über Lenin zuerst zu lesen, um sich dann der umfangreichen Einleitung zu widmen, die Fischers politische Philosophie enthält. Liest man das Buch in dieser Reihenfolge, dann ergeben sich drei Bedeutungsebenen: die Lenin-Analyse, Fischers politische Philosophie und beider Relevanz für die sogenannte Neue Rechte heute.

          Fischer geht es um die Deutung des russischen Revolutionärs als neuen Typus des Politikers. Nicht durch Ideologie geleitet, sondern mittels präziser machtpolitischer Analyse die Lage abzuwägen und den historischen Moment abzupassen, die Welt durch die Tat auf den Kopf zu stellen, so sieht er den „Machiavell des Ostens“.

          Dabei gelingen Fischer scharfsinnige Einblicke wie etwa über den Zusammenhang von Weltkrieg und Revolution, aber auch starke Verzerrungen, die daher rühren, dass ihm nur wenige übersetzte Lenin- und Stalin-Texte zur Verfügung standen. Man kann Fischer lesen und mit der Wirklichkeit der Sowjetunion abgleichen. Dann erscheinen die meisten seiner Kapitel als empirisch obsolet. Schon damals hätte Fischer besser informiert sein können. Fischer ist jedoch nicht Historiker, sondern politischer Philosoph.

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