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Hugh Raffles: Insektopädie : Im Allerkleinsten öffnet sich das Tor zu einer Welt

Bild: Matthes & Seitz Verlag

Von tugendhaften Grillen, gebratenen Heuschrecken, tanzenden Bienen, flirrenden Fliegen, alten Büchern und allerlei Passionen: Hugh Raffles hat unserem Umgang mit Insekten eine eigenwillige Enzyklopädie gewidmet.

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          Über Insekten gerät man schnell ins Staunen, so unzählig, so kurios und kunstvoll anmutend sind ihre Formen. Und dann noch so winzig, meistens zumindest. Es ist ein Staunen, das eine lange Geschichte hat. „In minima tota est“, im Kleinsten steckt alles, so lautet eine seiner alten Formeln, die selbst wiederum in einer antiken Formulierung aus Plinius’ „Naturgeschichte“ steckt. Auch der englische Arzt Thomas Moffet griff auf sie Ende des sechzehnten Jahrhunderts zurück, als er eines der ersten ausschließlich den Insekten gewidmeten Werke verfasste. Etwa zur selben Zeit als auch Joris Hoefnagel für Rudolf II. und Ulisse Aldovrandi in Bologna ihnen eigene Darstellungen widmeten.

          Helmut Mayer

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Die Werke sind der Auftakt zur akademischen Naturgeschichte der Insekten und Hugh Raffles widmet ihnen in seiner „Insektopädie“ schicklich einen eigenen Abschnitt. Schließlich geht es in dem Buch des New Yorker Anthropologen, das nun auf deutsch in der von Judith Schalansky herausgegebenen und schön gestalteten Reihe „Naturkunden“ erschienen ist, nicht zuletzt um die Faszination an den Insekten. Freilich um eine Faszination in allen möglichen Spielarten, von denen diese naturgeschichtliche Tradition nur eine Facette ist.

          Von Menschen und Insekten

          Denn Raffles Enzyklopädie widmet sich den Insekten, oder vielmehr unseren Beziehungen zu ihnen, auf eine viel umfassendere Weise. Sie sind in ihr nicht nur die Gegenstände unseres Wissens oder unserer Neugierde, sondern Mitspieler auf vielen verschiedenen Terrains - neben der Wissenschaft etwa auch auf lokalen Nahrungsmittelmärkten in Afrika, in der japanischen Populärkultur, auf chinesischen Tiermärkten oder auch in recht merkwürdigen amerikanischen Videos. Das Gebiet ist weit, auf dem sich diese Erkundungen bewegen. Geboten werden sie in einer spielerischen Anordnung, alphabetisch gereiht von „Aether“ bis „Zen“, und ihr Charakter reicht von kurzen Impressionen bis hin zu stattlichen Essays.

          Unter dem Titel „Evolution“ findet man etwa eine exzellente Einführung zu den „Entomologischen Erinnerungen“, den Tausenden von Seiten, auf denen Jean-Henri Fabre seit den späten siebziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts fast über drei Jahrzehnte hinweg seine Erkundungen der Insektenwelt rund um sein Landhaus in Südfrankreich beschrieb. Auch Fabre hatte natürlich eine Variante der alten naturgeschichtlichen Plinius-Formel parat: Am höchsten zu bewundern sei die Natur im Kleinsten, so lautet sie bei ihm.

          Was die alles können

          Auf die Bewunderung kam es bei Fabre an, aber genauso auf die Lehre, die aus ihr zu ziehen war. Wobei Fabre weniger die äußeren Formen im Auge hatte, sondern vielmehr die staunenswerten, von ihm hingebungsvoll und methodisch studierten Instinktleistungen der Insekten. Wie diese und jene Wespenart für den Nachwuchs sorgt, indem die Weibchen kleine Höhlen graben, eine Beute mit wohl gesetzten Stichen lähmen, um sie dann bei den Eiern in der Höhle abzulegen, so dass die ausschlüpfende Larve eine wehrlose und doch lebendig-frische Nahrung vorfindet und diese umsichtig verzehrt, indem sie die lebensnotwendigen Organe ganz zuletzt verzehrt - Fabre hat diese Beobachtungen (einer zuletzt ja ziemlich grausamen Prozedur) immer wieder zelebriert.

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