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Hans Blumenberg: Quellen, Ströme, Eisberge : Eine Metapher bricht schon mal zusammen

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Bild: Verlag

Ein tolles Buch für Spezialisten: Der Philosoph Hans Blumenberg untersucht die sprachlichen Möglichkeiten von Quelle, Strom und Eisberg.

          Man hat erkennbar einen Rohling vor sich. Die aus dem Nachlass als dreigeteilter Ganztext herausgegebene Arbeit zu den Metaphernkomplexen „Quelle“, „Strom“, „Eisberg“ basiert auf einem weitgehend durchgeschriebenen, um 1980 entstandenen Manuskript. An Zitaten entlang legt Blumenberg verschiedene Gedankenfäden aus, bahnt Wege durchs Material. Ein Spannungsbogen ist kaum erkennbar. Überleitungen wirken angestrengt, manchmal brüsk. Die Darstellung will sich, historische Kenntnis voraussetzend, offenkundig von jeder Chronologie lösen. Welche Gestaltidee den Text jedoch im Ganzen hätte regieren sollen, bleibt offen - auch nach der Lektüre. Ein Lektor würde einem lebenden Verfasser gesagt haben: Die Sache hat (noch) keinen Zug.

          Wie man es von Blumenberg kennt, sind die drei Partien freilich dicht und reich. Der Abschnitt Quellen besichtigt die teils raffinierten Modifikationen und Brechungen von Ursprünglichkeitserwartungen, welche Realsemantik erst einmal nahelegt. So unterminiert Droysen die Vorstellung, historische Quellen kämen nicht doch ihrerseits irgendwoher, Gomperz fordert, der Strom der Geschichte solle zurückfließen, Benjamin sieht sich statt an der Quelle lieber im Tal, in welches ihr Wasser fließt, bei Heidegger führen Holzwege zu Quellen, Freud spricht über die „verborgenen Quellen“ - und so fort.

          Mit den Strömen gerät man in den Bereich von Philosophien des Lebens oder auch ins Gravitationsfeld des Topos vom „Strom der Zeit“. Blumenbergs Funde reichen von Heraklit bis Mach und Bertalanffy (mit dem Strombett, dem Auf- und Absteigen von Treibgut, dem Schwimmen oder auch dem Wirbel im Strom). Inhaltlich ausgeleuchtet wird vor allem die Schlüsselstellung des Stroms und des Strömens für die Phänomenologie Husserls. Die Termini enthalten die Letztauskunft eines ganzen Denksystems, sie sind absolute Metaphern.

          Der Zusammenbruch der Metapher

          Der Rede von der Eisbergspitze, deren größerer Teil unsichtbar bleibt, aber umso sicherer vorhanden ist, gilt der dritte Abschnitt des Buchs. Blumenberg verarbeitet Funde aus der Tagespresse, die Theoriegeschichte tritt zurück - und auch die Analyseperspektive verschiebt sich: Der im Verborgenen um sieben Achtel größere und potentiell bedrohliche Eisberg spielt vor allem eine argumentative, wenn nicht rhetorische Rolle. So besehen sei die Metapher ihrer Disposition nach „hochgradig politisch“, schreibt Blumenberg, wobei er selbst dann mit erkennbarem Vergnügen schludrige und misslungene Eisbergspitzenmetaphern auseinandernimmt. Wo jemand die Spitze des Eisbergs als „verborgen“ charakterisiert oder aber fordert, man werde „am Fuß“ des Eisbergs, zu dem es sich herabzutasten gelte, auf unverhoffte Entdeckungen stoßen, so bricht die Metapher beim Versuch, sie zu steigern, in sich zusammen.

          Dreimal Wassermetaphern: Leider erliegen auch die Herausgeber der Versuchung, das Gemeinsame der drei Manuskriptteile über das „Wasser“ zu konstruieren, als naheliegenden Oberbegriff zu den drei - nichtmetaphorischen - Bedeutungen der Titelbegriffe. Wasser sei „lebensnotwenig, im buchstäblichen wie im übertragenen Sinn“, es sei das „Medium schlechthin“, und zudem sei das Wasser, „für den Lübecker Hans Blumenberg zunächst in Gestalt des Meeres auffällig“, ja auch schon eingeschrieben in die 1979 in dem Buch „Schiffbruch mit Zuschauer“ untersuchte Konstellation. Hier ist dann der Verweis auf die anthropologische Grundsituation des Metapherngebrauchs schnell bei der Hand -, hier setze der Mensch dem, wie Blumenberg einst gefährlich griffig formulierte, „Absolutismus der Wirklichkeit“ etwas entgegen -, und wir begnügen uns mit einer eher erbaulichen Botschaft der Blumenbergschen Studien. Das Wasser gibt uns absolute Metaphern der Erfahrung. Und: Wir leiten unsere Denkbilder von Naturerscheinungen ab.

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