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Hannah Arendts Briefwechsel : Sind halt eine unverzichtbare Bagage, die Männer

  • -Aktualisiert am

Eine Briefschreiberin der unprätentiös eindrucksvollen Art: Hannah Arendt 1944 in New York, fotografiert von Fred Stein Bild: Getty

Von Liebe, Altern und dem Leben in der Emigration: Hannah Arendts Briefwechsel mit Freundinnen ist eine ebenso erhellende wie berührende Lektüre.

          Hannah Arendt gilt als ein „Genie der Freundschaft“. Eine neue Edition von Briefwechseln gibt diesem Urteil recht. Der Band „Briefwechsel mit den Freundinnen“ versammelt die fünf Korrespondenzen mit der Jugendfreundin Anne Weil, der Verlegerin Helen Wolff, den Übersetzerinnen Charlotte Beradt und Rose Feitelson sowie mit Hilde Fränkel, die „keine Intellektuelle“ war und Arendt wohl gerade deswegen näher- stand als irgendeine andere Frau. Der Band dokumentiert damit nicht nur höchst unterschiedliche Freundschaften, sondern erschließt durch seine Auswahl auch eine neue Perspektive auf Arendts umfangreiches Briefwerk. Denn anders als bei den bisher edierten Briefwechseln, etwa denen mit Uwe Johnson, Martin Heidegger oder Mary McCarthy, handelt es sich bei den fünf Korrespondentinnen nicht um Personen, die selbst im Licht der Öffentlichkeit standen. Hier wird weniger abstrakt reflektiert, was Freundschaft ist, als vielmehr konkret vorgelebt, was sie sein kann.

          Obwohl das politische Geschehen (wie der Wiederaufbau Europas, die McCarthy-Ära oder der Eichmann-Prozess) und die Arbeit an Publikationen stets präsent sind, geben viele der Briefe auch dem privaten oder intimen Leben einen großen Raum. Sie beschreiben Stimmungen, Eindrücke und Begegnungen sowie Fragen der persönlichen Identität, die erst in der Beziehung zur Freundin thematisiert werden können: „Nur wenn ich an Dich schreibe, frage ich mich eigentlich, was und wo ich eigentlich bin, und deshalb kriegt Du immer so besonders blöde Seelenschmusbriefe“ (Anne Weil). Von „Seelenschmus“ kann übrigens keine Rede sein: Allen Frauen ist ein angenehm unprätentiöser Stil gemeinsam, der immer zum Witz und nie zur Sentimentalität neigt.

          Bei aller Unterschiedlichkeit der Charaktere werden die fünf „Miniaturwelten“ durch thematische und stilistische Gemeinsamkeiten verbunden, die sich aus dem geteilten Schicksal der Freundinnen ergeben: Bis auf Rose Feitelson mussten sie alle aus Deutschland fliehen. Der Verlust der Heimat, das Leben in der Emigration und die Beziehung zur jüdischen Herkunft (die alle Frauen mit Ausnahme Fränkels teilen) gehören zu diesen Gemeinsamkeiten. Stilistisch ist die Emigrationserfahrung präsent durch eine polyglotte Sprachmelange, das selbstverständliche Einflechten von griffigen englischen oder französischen Ausdrücken, und durch die zahlreichen literarischen und philosophischen Zitate, die alle Frauen wie ein Vademekum aus der Heimat mit sich führen. Zu den wiederkehrenden Motiven gehören auch die existentiellen Themen Liebe, Altern – die Verschlechterung der „Karkasse“ (Anne Weil) – und Tod. Freundschaft erscheint angesichts der politischen und persönlichen Erschütterungen als eines der wenigen Phänomene, das nicht in Frage steht und dadurch dem Leben Dauerhaftigkeit und Verlässlichkeit gibt.

          „Der letzte erotische Erfolg“

          Wie sich diese Freundschaften gestalten, fällt dabei ganz unterschiedlich aus: Helen Wolff und Arendt verbindet zum Beispiel die Arbeit an gemeinsamen Publikationsprojekten und Überlegungen, wie deutschsprachige Schriftsteller dem amerikanischen Publikum nahe gebracht werden können. Eine solidarische, aber asymmetrische Beziehung besteht dagegen zu Charlotte Beradt, einst die Jugendliebe von Arendts Mann Heinrich Blücher, die sich in New York mit einem Friseursalon im Wohnzimmer über Wasser halten muss. Während Arendts langer Europa-Reisen fungiert sie als eine Vermittlerin zwischen der sich verloren fühlenden Arendt und Blücher, der oft wochenlang nichts von sich hören lässt.

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