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: Grün und Blau

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Das Comeback der Debatte um den Klimaschutz vor ein paar Jahren hatte ein beeindruckendes Timing: Eine glückliche historische Fügung ermöglichte offenbar, dass die Warnungen vor den Folgen der Erderwärmung gerade noch rechtzeitig ertönten, bevor es zu spät war, sie in die Tat umzusetzen. Fünf, zehn, ...

          Das Comeback der Debatte um den Klimaschutz vor ein paar Jahren hatte ein beeindruckendes Timing: Eine glückliche historische Fügung ermöglichte offenbar, dass die Warnungen vor den Folgen der Erderwärmung gerade noch rechtzeitig ertönten, bevor es zu spät war, sie in die Tat umzusetzen. Fünf, zehn, zwanzig, dreißig Jahre, so ungefähr schätzten die meisten Forscher, wären noch übrig, um das irreversible Kippen des Klimas aufzuhalten. Wer sich aber wunderte, warum die Zeiger der tickenden Weltuhr, die etwa der Club of Rome schon 1972 auf fünf vor zwölf gestellt hatte, noch immer an derselben Stelle standen, der wurde sehr schnell ins Lager der unverbesserlichen Zyniker eingewiesen, die die letzten Tage der Menschheit damit verbringen, sich die Zeit mit der Analyse des apokalyptischen Diskurses zu vertreiben, dessen Notwendigkeit die Mahner zur Not auch mit ihren meteorologischen Messergebnissen beweisen zu können glauben.

          Man muss ja die Diagnose des Klimawandels gar nicht bestreiten, um von der damit verbundenen Dringlichkeitsrhetorik eher genervt als alarmiert zu werden. Aber mal abgesehen davon, dass das ewige Endzeitgeplärre ja auch nicht gerade freundlich zu seiner Umwelt ist, ist dessen Effektivität nicht gerade erwiesen. Die Frage ist, ob es die Kohlendioxid-Emissionen verringert, wenn man ständig die Lautstärke und Frequenz der Weckrufe erhöht - oder ob das eher die Fähigkeit der Zuhörer schult, sich schlafend zu stellen. So langsam aber läuft den Fünf-vor-zwölf-Rufern die Zeit davon. "Wenn nicht vor 2010 gehandelt wird", erklärte Rajendra Pachauri, der Leiter des Weltklimarats, im Jahr 2007, "ist es zu spät." Thomas Lauren Friedman zitiert Pachauris Prognose in seinem neuen Buch "Was zu tun ist" und reizt damit die Dramatik bis zum Äußersten aus. Glaubt man diesem Szenario, dann ist sein Buch eines der letzten, das die Katastrophe noch verhindern kann - wenn man es nur schnell genug liest.

          Schon allein aus Gründen der literarischen Ökologie also wäre es sinnvoll gewesen, wenn Friedman etwas sparsamer mit seinem Apokalypsenvokabular umgegangen wäre, und dass die meisten der Fakten, die er für seinen Ruf zu den Waffen versammelt, mittlerweile öfter recycelt wurden als das Papier, auf dem sie hoffentlich gedruckt werden, hilft auch nicht sehr viel. Das ist vor allem deswegen bedauerlich, weil ein paar von Friedmans Thesen durchaus Bewegung in die Diskussion bringen könnten, wenn man sie im Dickicht aus Analogien und Betroffenheitsjargon nicht immer wieder aus den Augen verlieren würde. Dass die Welt, und allen voran Amerika, jetzt endlich mal aufwachen müsse, das hat man nach ein paar Seiten schon kapiert, da braucht es nicht noch das Beispiel des Menschen, der sich beim Sprung aus dem 80. Stock 79 Stockwerke lang wohl fühlt. Und das chinesische Sprichwort vom Wind des Wandels, den Mauern und den Windflügeln. Und den Frosch, der nicht merkt, wie er zu Tode gekocht wird, wenn sich die Temperatur nur langsam erhöht. Und womöglich hätte man auch längst schon das Leselicht ausschalten können, wenn nicht ständig überall Fässer überlaufen würden oder Fahrzeuge unaufhaltsam voranrasen müssten, damit man nicht zwischen den Seiten vergisst, was man vor der Lektüre des Buches auch schon wusste. Und so beeindruckt man auch von dem Personal ist, das Friedman auf seinen 500 Seiten zur Untermalung seiner Thesen aufmarschieren lässt, fragt man sich doch, warum er selbst für die offensichtlichsten Zusammenhänge noch einen Zeugen braucht. Die Ökobilanz der Reisen, die Friedman in den vergangenen Jahren zwischen Doha und Dalian, Peru und Pakistan unternahm, möchte man besser nicht auswerten.

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