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Götz Alys Buch zum Südsee-Boot : Von Kunsträubern und Kulturschändern

Das Luf-Boot, ein hochseetaugliches Auslegerboot, wurde auf der Hauptinsel der Eremiten-Inseln in Papua-Neuguinea hergestellt Bild: SPK/Stefan Müchler

Das Luf-Boot ist das ethnologische Prachtstück des Humboldt-Forums. Angeblich wurde es, wie die meisten Objekte der Berliner Südsee-Sammlung, auf faire Weise erworben. Der Historiker Götz Aly zeigt, dass das nicht stimmt.

          5 Min.

          Die ethnologischen und asiatischen Sammlungen der Staatlichen Museen bilden, so ist überall zu hören, das Herzstück des Berliner Humboldt-Forums. Aber in dem Gebäude selbst, hinter der rekonstruierten Fassade des Berliner Schlosses, bleiben die Schätze der Weltkulturen ins zweite und dritte Obergeschoss verbannt. Nur zwei übergroße Säle an den Seiten der Eingangshalle reichen bis in den ersten Stock hinab. Sie beherbergen Objekte aus der berühmten Südsee-Sammlung des Ethnologischen Museums. Das bekannteste Objekt steht im südlicheren der beiden Säle. Es ist das fünfzehn Meter lange Auslegerboot von der Insel Luf, die vor dem Ersten Weltkrieg Teil des deutschen Kolonialbesitzes rings um den Bismarck-Archipel im heutigen Papua-Neuguinea war.

          Andreas Kilb
          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Das Luf-Boot sei, so steht es auf der Website des Ethnologischen Museums, „aus einem Baumstamm und vielen Planken“ für einen Häuptling Labenan gebaut worden, jedoch „nie zum Einsatz“ gekommen, bis es im Jahr 1903 Max Thiel, ein Geschäftsführer der deutschen Handelsgesellschaft Hernsheim & Co., „erwarb“ und auf die Insel Matupi transportieren ließ. Von dort gelangte es ins damalige Berliner Museum für Völkerkunde. Der Wikipedia-Eintrag zum Stichwort „Luf-Boot“ unterfüttert diese Erwerbungsgeschichte mit einer Art Untergangs-Saga. Ihr zufolge „verpflichtete“ sich die Bevölkerung von Luf, „keine Kinder mehr zu bekommen und auszusterben“, nachdem eine Strafexpedition zweier deutscher Kriegsschiffe im Jahr 1882 zu „Hoffnungslosigkeit“ geführt habe, die durch den Tod der meisten kriegsfähigen Männer in einem Sturm sieben Jahre später noch verstärkt worden sei. Als der Auftraggeber des Bootes – bei Wikipedia heißt er „Lebenan“ – 1895 starb, sei es nicht mehr gelungen, das Luf-Boot für sein Begräbnis zu Wasser zu lassen, weshalb es „am Strand liegen“ geblieben sei. Dort, legt der Eintrag nahe, entdeckte es Max Thiel.

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