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Martin Suter (links) und Benjamin von Stuckrad-Barre Bild: Maurice Haas / © Diogenes Verlag

Stuckrad-Barre trifft Suter : Weltgeist zum Frühstück

Die Autoren und Freunde Martin Suter und Benjamin von Stuckrad-Barre haben aus ihren Gesprächen ein Buch gemacht. Es geht um Liebe, Drogen, Schreiben. Oft labern die beiden nur so dahin, und nicht alle Pointen sind gut. Warum sollte man trotzdem zuhören?

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          Martin Suter und Benjamin von Stuckrad-Barre haben gemeinsam ein Buch gemacht. Es heißt „Alle sind so ernst geworden“ und reiht sechzehn Protokolle von Gesprächen aneinander, welche die beiden seit 2018 in Hotels und bei Suter daheim in Zürich miteinander geführt haben. Die Gespräche sind nach Stichworten sortiert („Glitzer“, „Ibiza“, „Arbeit“, „Fotos“), drehen sich aber eigentlich um Motive jenseits davon, auf die vor allem Stuckrad-Barre zusteuert: öffentliches wie privates Sprechen, Jargon jeder Art, Karriere, Erwartungsdruck, Zusammenbrüche, Nomadentum, Selbstbild, Fremdbild, Drogen, es geht um Natural Nigerian Grass und auch um Günter Grass. „Bitte nicht der schon wieder!“, ruft Stuckrad-Barre, aber er ist halt am lustigsten, wenn er über den Nobelpreisträger redet.

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          All diese Motive sind Lebensmelodien des Schriftstellers und Moderators Stuckrad-Barre, weniger die Suters, aus dessen Leben man einiges erst in diesem Buch erfährt: dass sein Urgroßvater Pavillons hergestellt hat, beispielsweise. Und dass er seit 1975 in keiner Disco mehr war.

          Aber weil Stuckrad-Barre auch den größeren Gesprächsanteil hat, ist es kein Wunder, dass dieses gemeinsame Buch erst einmal gar nicht so sehr als ein neues auch von Martin Suter wahrgenommen wird. Obwohl es in dessen Hausverlag Diogenes erscheint. Und der Schweizer einer der erfolgreichsten Schriftsteller der Gegenwart ist.

          Die Aufmerksamkeit konzentriert sich sofort auf Benjamin von Stuckrad-Barre. Der hat seit seinem ersten Roman „Soloalbum“ von 1998 viel dafür getan, dass die Antwort auf die Frage, was Benjamin von Stuckrad-Barre gerade tut, wo er steckt, wie es ihm geht, ob er schreibt oder dreht, auch diejenigen interessiert, die er nervt. Stuckrad-Barre hat die Kamera Herlinde Koelbls in sein Leben gelassen, als es ihm existentiell schlimm ging, er hat später von diesen Phasen, aber auch von seiner Pfarrhauskindheit und seinen Vaterfiguren wie Udo Lindenberg oder Helmut Dietl in einem mitreißenden Buch selbst erzählt, „Panikherz“ (2016), und er hat sich nie für eins allein entschieden: Schriftsteller oder Moderator, Texte oder Fernsehen.

          Wenn jemand ständig unter Zuschreibungen wegtaucht, aber dafür sorgt, maximal sichtbar dabei zu bleiben, nur um wieder zu verschwinden, bis er Stuckrad-tells-all-mäßig abermals zurückkehrt, wenn jemand also Kontrolle ausübt und gleichzeitig Bedürftigkeit nach Sichtbarkeit zeigt, wie es auch in diesem Buch wieder der Fall ist: dann kann man nicht anders als hinzusehen. Er zieht auch das Publikum ins Rollenspiel hinein.

          Die Aufmerksamkeit für das neue Buch fördert Benjamin von Stuckrad-Barre jedenfalls seit kurzem durch begleitendes Marketing im Internet: Prominente (Katja Riemann, Claus Kleber, Matthias Brandt) und andere alte Bekannte, die er auch schon bei früheren Büchern eingespannt hatte (Clueso, Klaas Heufer-Umlauf, Jan Delay), halten das Buch in die Kamera und sagen den Titel auf: „Alle sind so ernst geworden“. Suter hat die Clips auf seiner eleganten Website ebenfalls gelistet, Stuckrad-Barre bringt sie auf den Kanal zurück, der ihr Format hervorgebracht hat: Instagram.

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