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: Geschäftsmodell Apokalypse

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In diesen Tagen hat Dennis L. Meadows Konjunktur. Der 65jährige wird interviewt, tritt auf Kongressen auf und debattiert mit Unternehmensvorständen, die den Klimawandel als großes PR-Thema entdeckt haben. Meadows hat mit Co-Autoren 1972 das Buch "Die Grenzen des Wachstums - Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit" verfasst.

          In diesen Tagen hat Dennis L. Meadows Konjunktur. Der 65jährige wird interviewt, tritt auf Kongressen auf und debattiert mit Unternehmensvorständen, die den Klimawandel als großes PR-Thema entdeckt haben. Meadows hat mit Co-Autoren 1972 das Buch "Die Grenzen des Wachstums - Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit" verfasst. Das schwerverständliche Buch mit dem etwas größenwahnsinnig anmutenden Ansatz, ein Welterklärungsmodell zu liefern, war ein Sammelwerk von wohlmeinenden Fehlprognosen und gleichzeitig ein Bestseller vor allem in Deutschland. Denn er traf auf das verbreitete Lebensgefühl, dass es so nicht weitergehen kann mit der Industrialisierung.

          Jetzt wird Meadows wieder gehört, weil wieder Katastrophenalarm ausgerufen ist. Und mit Alarmzeiten hat der Mann, der den Typus des bedächtigen, seriösen, zugleich tief besorgten Wissenschaftlers verkörpert, Erfahrung.

          Diesmal hat er wieder wortmächtige Mitstreiter. Umweltminister Sigmar Gabriel surft mit der Energie des Sonnensegels durch die Medienwelt. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung meldet in dieser Woche geradezu lustvoll: "Die Anzahl und Intensität von extremen Klimaereignissen werden in Deutschland weiter zunehmen; dies führt zu erheblichen volkswirtschaftlichen Schäden und zu erhöhten Anpassungs- und Energiekosten. Sollte keine nennenswerte Intensivierung des Klimaschutzes erreicht werden, können sich die durch den Klimawandel insgesamt verursachten Kosten bis zum Jahr 2100 auf fast 3000 Milliarden Euro belaufen."

          An dieser Meldung lässt sich die geballte Hoffnungslosigkeit spüren. Obwohl es wärmer wird nach dieser Prophezeiung, steigen die Energiekosten. Das ist schon höchst bemerkenswert. Mutig ist auch die Prognose, dass extreme Klimaereignisse in ihrer Anzahl deutlich zunehmen werden. Renommierten Klimaforschern fehlen dafür noch die Beweise, über die die Berliner Ökonomen offenbar schon verfügen.

          Es ist eine Meldung, die unkritisch durchgewinkt wird, nicht weil sie so fundiert ist, sondern weil sie sich wie ein Puzzle-Stück in das allgemeine Stimmungsbild einpasst. Die Lage der Menschheit ist ganz, ganz schlimm. Oder?

          Fest steht erst einmal, dass die Menschheit sich als einigermaßen robust erwiesen hat. Sie hat Eiszeiten überlebt und Phasen, in denen es deutlich wärmer war als heute. Es gibt auch Hinweise, dass die Leute diese Warmphasen genossen haben. Ein schönes Experiment ist es, in diesen Tagen einer Gruppe sorgenschwerer Akademiker frohgemut mitzuteilen, wie sehr man sich darauf freue, dass Deutschland wärmer werde. Wer das wagt, ahnt, wie es ist, ein Ausgestoßener zu sein.

          Nicht nur Klimakapriolen, auch jüngere Katastrophen wurden entgegen aller Wahrscheinlichkeit von den meisten Menschen überlebt: BSE, Vogelgrippe, Tschernobyl, saurer Regen, Wettrüsten und Seveso. Alle diese Worte stehen für reale Ereignisse und für Medienereignisse, deren Inszenierungen ihre Kraft aus der schaurigen Lust am Weltuntergang schöpfen.

          "Der Weltuntergang ist der Größenwahn der Depressiven", sagt der Publizist Matthias Horx. Er stellt es seinem Buch "Anleitung zum Zukunftsoptimismus" voran. Das Buch wärmt die Seele und hält den Kopf kühl. Es ist ein Plädoyer für skeptische Optimisten gegen den Alarmismus, der, wie Horx ausführt, sich zu einer gewaltigen Industrie verselbständigt hat. Katastrophen lohnen sich.

          Immer schon haben normale Menschen an deren Inszenierungen mitgewirkt, aus ehrlicher Sorge, aus schlechtem Gewissen heraus und aus gutem Glauben. Verändert hat sich zweierlei: Die Alarmisten tragen zunehmend politische Verantwortung, und sie erobern die Wissenschaft.

          "Erst das Ozonloch und schließlich Global Warming erlösten die Meteorologen aus der Aschenbrödelrolle", weist Horx nach. Die Versicherungen, die Regierungen, die UNO, die Medien und Entwicklungsorganisationen geben gewaltige Summen aus für Computersimulationen, Kernbohrungen in der Antarktis und Satellitenprogramme. Dagegen ist nichts zu sagen, außer dass die Vorhaben mit einer gewissen Erkenntniserwartung gespeist werden. Die seriösen Ergebnisse dieser Erforschungen werden später zum Teil unter Hilfe von Wissenschaftlern selbst so aufbereitet, dass Erkenntnisse, die nicht ins Bild passen, untergehen. Das galt zuletzt für die Executive Summary des UN-Klimaberichts.

          Angst lenkt Geldströme. Auch das hat Folgen. Der Publizist Dirk Maxeiner wies jüngst darauf hin, dass es leichter sei, eine Schule mit Sonnenkollektoren zu versehen als die Klassenräume zu renovieren und Schüler mit modernen Unterrichtsmedien zu versehen.

          Matthias Horx: "Anleitung zum Zukunftsoptimismus". Campus, 24,90 Euro

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