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Geert Lovink: Das halbwegs Soziale : Stillstand mit Lichtgeschwindigkeit

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Bild: Verlag

Die Amerikaner sind an allem schuld, aber Google ist gar nicht so leicht an den Pranger zu stellen: Geert Lovink rechnet mit den Verheißungen und Wünschen ab, die sich an das Web 2.0 knüpften.

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          Das Web 2.0 ist vorbei. Und solange es bestand, ruhte es auf fixen Ideen. Gesellschaftliche Teilhabe, demokratische Mitbestimmung, technologiegestützte Selbstverwirklichung - es seien alles Märchen geblieben. Mit dieser Behauptung beginnt der niederländische Medienwissenschaftler Geert Lovink sein aktuelles Buch. Es schließt nahtlos an vorherige Bände seiner Internetkritik an.

          Das Web 2.0, dessen angebliche Besonderheiten sich derzeit in belanglose Selbstverständlichkeiten auflösen, so schreibt es der Autor diesmal überdeutlich, war eine Lüge. Das „datenfettsüchtige“ und „zynische Unternehmen“ Google sei auf dessen Idee gekommen. Im Jahr 2004, mit dem Gang an die Börse, hätten die Googler die Ideologie entworfen: Alles sollte verfügbar sein, jeder sollte mitmachen dürfen. Ein Jahr später schrieb der als Visionär gefeierte Tim O’Reilly dann das namensgebende Manifest des „Web 2.0“.

          Doch keiner der Wünsche wurde Wirklichkeit. Zwar wurden viele Barrieren der Teilhabe niedergerissen, entscheidungsrelevant sei das entstandene Geplapper aber nie geworden. Auch der „Prosumer“, der Konsument, der zu jedem Produkt noch einmal sein Feedback an die Hersteller geben durfte, bekam nie das letzte Wort. Und das entstandene „24-Stunden-Nachrichtenspektakel“ raubte noch dem Letzten die Nerven: Zwar waren plötzlich alle informiert, doch niemand dachte mehr nach.

          Jeden Moment festhalten

          Die „digital Natives“, so Lovink, litten heute an einer „gebrochenen Selbstwahrnehmung“, weil sie glauben, sich mit Hilfe technischer Spielereien die Welt untertan gemacht zu haben. Dabei seien sie stattdessen ausschließlich mit der Pflege ihrer omnipräsenten Profile beschäftigt. Das Internet als anonymer Zufluchtsort gebe es seit dem politischen Ansinnen, überall Terroristen und Kinderschänder finden zu wollen, nicht mehr.

          Schuld an der Misere sind laut Lovink die Amerikaner. Zum einen durch ihre radikalen Eingriffe in das Internet nach dem 11. September 2001 und zum anderen, weil die Software für die vielen Web-2.0-Dienste meistens von ihnen kam. Dadurch globalisierten sich die amerikanischen Verhaltensweisen: immer lächeln, immer stark sein, Probleme nur dem Therapeuten offenbaren. Das fruchtbare Zeitalter der Blogs fiel dem Aufstieg von Facebook und Twitter zum Opfer: Zwar machen heute alle mit, doch mehr als persönliche PR betreibe kaum noch jemand.

          Die Technologie hat sich als „merkwürdig unsichtbares Element im Alltag“ integriert. Jeder erlebte Moment wird heute für die „soziale Wertschöpfung“ genutzt und als Tweet, Instagram-Bild oder Facebook-Status festgehalten. Doch profitiert hat davon, so Lovink, vor allem Google. Das Unternehmen hat verstanden, aus dem digitalen Schleier, der sich über die Gesellschaft gelegt hat, Gewinn zu schöpfen. Es schuf eine „Technologie der Ausbeutung“.

          Aufschlussreiche Suchbewegungen

          Lovinks Kritik ist deutlich. Aber sie ist mit Bedacht formuliert. Denn Argumente gegen Google seien nur schwer zu finden, gesteht Lovink. Schließlich zwingt das Unternehmen seine Dienste niemandem auf, die Konkurrenz ist immer nur einen Klick entfernt. Für Kritik daran fehle heute auch das Handwerkszeug. Sie beschränkt sich auf „journalistische Beobachtungen, Ideologiekritik und Diskursanalyse“. Warum sich die bisherige „Review-Kultur“, die Apps und Internetservices untersucht, auf Brauchbarkeits- und Funktionsanalysen beschränkt, ist für Lovink ein Rätsel.

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