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: Fröhlich ist die Fremdherrschaft

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Als Napoleon zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts die vielen Kleinstaaten im deutschen Südwesten zum Königreich Württemberg und zum Großherzogtum Baden zusammenlegte, beließ er den kleinen Fürstentümern Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Hechingen ihre Souveränität. Damit bedankte er sich ...

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          Als Napoleon zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts die vielen Kleinstaaten im deutschen Südwesten zum Königreich Württemberg und zum Großherzogtum Baden zusammenlegte, beließ er den kleinen Fürstentümern Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Hechingen ihre Souveränität. Damit bedankte er sich für eine Freundlichkeit, die eine hohenzollerische Fürstin seiner Frau Joséphine Jahre zuvor erwiesen hatte. Mit der Eigenständigkeit der beiden Fürstentümer war es ein halbes Jahrhundert später endgültig vorbei. Nach den Revolutionswirren von 1848/49 überließen die verunsicherten Fürsten von Hechingen und Sigmaringen ihre Territorien dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. So wurde Hohenzollern zur preußischen Enklave in Südwestdeutschland.

          "Da die Bevölkerung zu dem Wechsel ihrer Staatszugehörigkeit nicht gefragt wurde", notiert dazu der Sigmaringer Staatsarchivar Otto H. Becker, "stellte der Anschluß der Fürstentümer an Preußen einen Verfassungsbruch dar. Zu Aufständen ist es freilich nicht gekommen. Diese hätten auch nichts genutzt, hatten doch preußische Truppen nach der Niederschlagung des badischen Aufstands in Hohenzollern Quartier bezogen." Für den späteren preußischen Kriegsminister Albrecht von Roon waren die badischen Revoluzzer Barbaren, Bestien und Kannibalen. Der Dichter Ludwig Pfau giftete im badischen Wiegenlied: "Schlaf, mein Kind, schlaf leis, dort draußen geht der Preuß! Der Preuß hat eine blut'ge Hand, die streckt er übers bad'sche Land . . ." Der Sammelband ist jedoch keine Abrechnung mit Preußen. Für den Potsdamer Hartmut Dorgerloh, Gründungsdirektor des Hauses der Brandenburg-Preußischen Geschichte, ist Preußen weder Schreckgespenst noch Vorbild, sondern nur noch ein historisches Phänomen. Daran haben sich auch die übrigen Autoren des Buches gehalten.

          Nach dem Erwerb von Hechingen und Sigmaringen frohlockten die Preußen, nun reiche ihr Besitz "vom Fels zum Meer". Diese Devise schmückte fortan den Königlich Hohenzollernschen Hausorden. Friedrich Wilhelm IV., der Romantiker auf dem Thron, ließ auf dem 855 Meter hohen Zollerberg bei Hechingen eine Burg wie aus dem Bilderbuch bauen, die heute zu den meistbesuchten Denkmälern in Baden-Württemberg gehört.

          Der Badener Emil Belzer, der als preußischer Regierungspräsident in Hohenzollern tätig war, stellte damals fest, daß sich die Hohenzollern als "ein besonderes Gebilde und Völkchen zwischen Württemberg und Baden" betrachteten. Dazu paßt, daß sie 1873 den Hohenzollerischen Landeskommunalverband gründeten, dessen Devise in ein Stuckrelief des alten Landeshauses in Sigmaringen eingelassen ist: "Daheim regierten sie sich fröhlich selbst nach altem Brauch und eigenem Gesetz." Das stammt aus Schillers "Wilhelm Tell", aus der Szene vor dem Rütli-Schwur. Der Historiker Wilfried Schöntag verweist darauf, das Zitat erhalte erst seinen vollen Sinn, wenn man Schillers folgende Zeile hinzufüge: "Der höchste Blutbann war allein des Kaisers." Gerade so habe sich der Verband gefühlt: Wie ein Parlament, obwohl er doch letztlich den preußischen Ministerien in Berlin unterstanden habe.

          Das alte Adelsgeschlecht der Zollern hatte sich schon früh in eine schwäbische und eine fränkische Linie geteilt. Aus der fränkischen entwickelte sich die brandenburgisch-preußische Linie, die 1701 mit Friedrich I. den ersten König in Preußen und 1871 mit Wilhelm I. den ersten Kaiser des neuen Deutschen Reiches stellten. Im Februar 1947 endete auf Beschluß der vier Siegermächte alle Preußenherrlichkeit. Der Staat Preußen wurde aufgelöst. Preußen ist Geschichte. Das Buch zeigt, daß sie lesenswert ist.

          ALFRED BEHR

          Haus der Geschichte Baden-Württemberg (Hrsg.): "Vom Fels zum Meer". Preußen und Südwestdeutschland. Silberburg-Verlag, Tübingen 2002. 288 S., 32 Abb., br., 9,90 [Euro].

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