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Fotobuch : Das Buch über alle Bücher mit allen Fotos

Sinnliche Fotografie: Man Rays „Photographs” aus dem Jahr 1934 Bild: Katalog Swann

Von Martin Parr und Gerry Badger stammt das „Photobook II“. Jetzt wollen alle die Bücher in diesem Band kaufen - und deshalb werden diese immer rarer und immer teurer: Was ist davon zu halten?

          Kaum waren im vorigen Sommer die Druckfahnen von Martin Parrs „Photobook II“ aus der Rotationsmaschine gerutscht, so heißt es, wurden sie unter Buchhändlern gehandelt wie Insider-Informationen an der Börse. Schon beim ersten Band im Jahr 2004 hatte die Branche erlebt, wie Parrs gemeinsam mit Gerry Badger erstellte Liste bedeutender Fotobücher in den Antiquariaten zu Preisanstiegen von teils beängstigendem Ausmaß führte.Ob Parr es geahnt hatte?

          Freddy Langer

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

          Seine Absicht war es angeblich keineswegs, ein Standardwerk zu schaffen. Vielmehr schwebte dem englischen Reportagefotografen und Fotobuchsammler Parr ein „Statementwerk“ vor, für das er nach eigenem Geschmack insgesamt 400 Titel ausgewählt hatte, um die Geschichte des künstlerischen Fotobuchs nachzuerzählen - und zugleich eine kleine Debatte über Geschmack und die historische Bedeutung mancher Titel zu entfachen. Doch prompt wurden seine Bücher als Kanon gedeutet und jede Erwähnung darin als Ritterschlag verstanden.

          Planloses Sammeln von Fotobüchern

          Nach Erscheinen des ersten Bands, so erinnert sich der Kölner Fotobuchhändler Markus Schaden, gaben sich seine Kunden immerhin noch die Mühe, mit Post-it-Zettelchen jene Titel zu markieren, die sie kaufen oder bestellen wollten. Bei Teil II hingegen, der sich der Fotografie der Gegenwart widmet, legte mehr als ein Sammler bloß noch den schweren Prachtband auf die Theke mit der Bitte, alles zu besorgen. So passierte es Schaden, daß die kleine Auflage des von ihm selbst verlegten Bands „Macedonia“ des Fotografen Cuny Janssen ausverkauft war, bevor er sich selbst ein Exemplar hatte zurücklegen können. Nun zählt er selbst zu denen, die aufgeregt Büchern hinterhertelefonieren.

          Betörende Welten: Fotobuch „Color Photography” von 1951

          Das Sammeln von Fotobüchern ist kein neues Feld. Aber erst mit dem Überblicksband „The Book of 101 Books“ von Andrew Roth verließ es 2001 sein Nischendasein. In enger Zusammenarbeit mit dem Antiquar Roth Horowitz - und wie böse Zungen behaupten: dessen Lagerbeständen - hatte Roth zum erstenmal eine Art Hitliste erstellt und zugleich ein Bewußtsein geschaffen für die Schätze der Fotoliteratur, wenngleich vielleicht zu sehr konzentriert auf die amerikanischen Vertreter des Mediums.

          Vom Ladenhüter zum Auktionsstar

          Der Markt reagierte schnell. Regelmäßig versteigern nun selbst die großen Auktionshäuser Fotoliteratur - angeboten mit jeweils eigenen Katalogen. Beispiele für Titel, die noch vor wenigen Jahren als Ladenhüter verramscht wurden und sich auch bei uns in den Modernen Antiquariaten stapelten, jetzt aber auf 1000 Dollar und mehr taxiert sind, entdeckt man in jedem dieser Kataloge im Dutzend. Schnäppchen macht man auf den Auktionen keine.

          Erst dieser Tage erzielte bei Swann in New York unter 315 Losen eine Erstausgabe von Ed Ruschas Heftchen „Twentysix Gasoline Stations“ 14.000 Dollar. Jeweils bei 12.000 Dollar wurden „Hiroshima-Nagasaki Document 1961“ von Ken Domon und Shomei Tomatsu sowie „Photographs“ von Lee Friedlander zugeschlagen. Daß im Zuge der Wiederentdeckungen etliche wichtige Bände der Fotografiegeschichte als Faksimile erschienen sind, schadet der Preisentwicklung ganz offensichtlich nicht. Der MoMA-Katalog „William Eggleston's Guide“ kostet als kaum unterscheidbarer Nachdruck bei Hatje Cantz 39,90 Euro; als signierte Erstausgabe bei Swann brachte er nun 900 Dollar. - Es versteht sich, daß all diese Künstler und Bücher in „Photohistory“ ausführlich vorgestellt werden.

          Daß es Parr indes nicht allein um die hehre Kunst geht, ist keine Überraschung. Sein schwarzer Humor ist durch seine Bücher über England sattsam bekannt, und seine Gabe der Selbstironie ist seinem Bändchen mit Porträts zu entnehmen, die er überall auf der Welt in einfachen Ateliers von sich hat aufnehmen lassen. So findet sich in „The Photobook II“ auch „Point it“ - ein großartiges Bilderheft im Miniformat für Weltreisende, die damit all das zeigen können, wozu das Vokabular ihnen fehlt. Der Buchhandel verkauft es nach wie vor für 5 Euro.

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