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Asymmetrische Kriege : Kenne deine Schwächen, und stelle den Gegner an den Pranger

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Man kann das Buch als informierte Einführung in die Problematik asymmetrischer Kriege lesen. Der Anspruch des Autors ist aber noch ein anderer: Er will das Konzept auch theoretisch weiterentwickeln und gibt dem Leser dabei interessante Anregungen, aber auch einiges zum Knobeln mit. Theoretischer Kern ist eine Unterscheidung von acht Dimensionen von Asymmetrie, wofür die beiden „klassischen“ Dimensionen Kraft und Organisationsform um sechs weitere ergänzt werden: Umgang mit Raum und Zeit, Entschlossenheit, Verwundbarkeit, Legitimität, Selbstbindung. Anders gesagt, wird die Dimension Strategie in diese sechs detaillierteren Dimensionen aufgefächert. In Wassermanns Metaphorik ergeben sich daraus acht „Hügel“ im Gelände des asymmetrischen Krieges, auf denen die Kriegsparteien sich möglichst weit oben, also möglichst günstig zu positionieren versuchen.

Was heißt hier noch Asymmetrie?

Für den interessierten Leser seien drei Warnhinweise – in abnehmender Harmlosigkeit – angebracht. Zunächst: Man lese über den exzessiven Metapherngebrauch hinweg, speziell die Überbeanspruchung des Begriffs Dschungel: der asymmetrische Krieg sei ein „Dschungel“, dessen „Dickicht“ gelichtet wird, dessen „Gelände“ in „Expeditionen“ erkundet wird und dessen Analytiker an „Dschungelfieber“ leiden. Man lasse sich weiter nicht ablenken durch ein gewisses Überangebot an Klassifizierungen. Der Gegenstand wird je nach Bedarf in mal drei, mal acht, mal zehn und dann wieder drei analytische Dimensionen zergliedert, deren Verhältnis zueinander und auch deren logische Binnenordnung man besser nicht allzu genau unter die Lupe nimmt. Schließlich und entscheidend: Man sei gewarnt, dass der Begriff Asymmetrie bei der Vermehrung von Dimensionen unter der Hand eine Bedeutungsverschiebung erleidet. Üblicherweise bezeichnet er ein konstitutiv ungleiches Kräfteverhältnis zwischen zwei Gegnern, das auf den ersten Blick erkennbar ist und auch nicht von Situation zu Situation wechselt. Der eine ist eben David und der andere Goliath. Bei Wassermann bezeichnet er aber häufig auch das Streben nach Vorteilen im Krieg – das Ausspielen eigener Stärken und Ausnutzen gegnerischer Schwächen in einer der genannten Dimensionen, etwa durch Verringerung der eigenen Verwundbarkeit oder Unterminierung der Legitimität des Gegners in den Augen der Weltöffentlichkeit.

Diese Art von Asymmetrie oder Asymmetrisierung wird dann aber natürlich von beiden Seiten betrieben und lässt keine einfache Zuordnung zu der strukturellen David/Goliath-Asymmetrie mehr erkennen. Sie ist keine Konstante, sondern eine situative Variable. Es kann je nach Dimension mal David und mal Goliath oben liegen, und aus der guten Positionierung in einer Dimension folgt nicht automatisch die gute Positionierung auch in anderen. Wenn das aber so ist – was heißt dann noch „Asymmetrie“? Und würde es dann nicht genügen, einfach von Erfolgsdimensionen oder strategischen Erfolgsvariablen zu sprechen? Der theoretische Gewinn davon, beides – die strategische und die strukturelle Größe – mit dem Asymmetriebegriff zu belegen ist das, was zu diskutieren wäre.

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