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F.A.Z.-Sachbücher der Woche : Sie wissen einfach, was das Beste für uns Internetnutzer ist

  • Aktualisiert am

Bild: Verlag

Heinz Bude befasst sich mit der Logik des Bildungsprotektionismus, Johannes Willms erzählt das Leben des Meisterdiplomaten Charles-Maurice Talleyrand und Steven Levy schreibt die Geschichte von Google. Dies und mehr in den F.A.Z.-Sachbüchern der Woche.

          5 Min.

          Wenn man den Sätzen Glauben schenkt, die aus dem Inneren der Konzernzentrale dringen, dann wird sich Google in Zukunft immer stärker darauf ausrichten, nicht nur mehr über uns zu wissen, als wir selbst in kurzer Zeit in Erinnerung rufen können. Es wird auch dazu übergehen, dieses Wissen in konkrete Verhaltensanweisungen umzumünzen. Die Suche wird magischer werden, heißt es, und ein Teil dieser Magie könnte darin bestehen, dass sie nicht mit dem Eintippen ins Suchfeld beginnt, sondern dort schon einen Vorschlag bringt, womit der Tag zu beginnen sei, errechnet aus dem, was vorher geschah. „Sie [die Suchmaschinentechnologie] wird in menschliche Gehirne eingebaut sein“, lässt sich Larry Page, einer der beiden Google-Gründer, vernehmen. „Wenn Sie an etwas denken und nicht viel darüber wissen, wird es Ihnen automatisch die passende Information geben.“ Von Eric Schmidt, bis vor kurzem Geschäftsführer, stammt der Satz: „Ich denke, die meisten Menschen möchten, dass Google ihnen sagt, was sie als Nächstes machen sollten.“ Schmidt und Page sprechen solche Worte mit einer Selbstverständlichkeit aus, als könnten sie sich gar nicht vorstellen, dass es mehr als eine Last sein könnte, das Denken weiter selbst zu übernehmen.

          Man kommt etwas näher an diesen sich menschenfreundlich gebenden Posthumanismus heran, wenn man weiß, dass Page ein Bewunderer des KI-Propheten Ray Kurzweil ist, bekannt für seine Thesen zur Singularity, jener Schwelle, ab der Maschinenintelligenz humanem Denken in allen Bereichen voraus sein soll. Google ist deshalb von seinen Gründern ganz bewusst als eine solche Megaintelligenz konzipiert, die möglichst viel KI in sich aufnehmen soll, um dann irgendwann den Schritt über seine Benutzer hinaus zu tun - was Google in Teilbereichen auch schon getan hat. Es lässt sich bisher kein ideologisches Interesse hinter dieser Machtübernahme erkennen, nur ein wirtschaftliches an höheren Gewinnmargen und das Selbstinteresse an der Steigerung technischer Möglichkeiten. Der Weltverbesserungston der Anfangsjahre wirkt aber verbraucht.

          Im Innneren des Googlekomplexes

          Der Anschein ideologischer Neutralität kommt daher, dass die Obsession von Page und seinem Kompagnon Sergey Brin zunächst einmal schlicht dem Umgang mit Daten gilt. Noch heute fragen sie bei Einstellungsgesprächen nach unwesentlichen Schulnoten, ganz einfach weil sie der Meinung sind, dass alle Daten zählen. Und man lernt im Laufe des Buchs, das der amerikanische Journalist Steven Levy über Google geschrieben hat, dass Daten gar keine übergeordneten Bezugsgrößen brauchen, um für Brin und Page einen höheren Zweck darzustellen: Es reicht aus, sie zu beschleunigen, zu verteilen, in Form zu bringen.

          Levy ist an Google dichter herangekommen als jeder andere vor ihm. Er hatte das Privileg, den Googleplex über mehr als zehn Jahre hinweg regelmäßig von innen zu betrachten und mehrfach mit seinem menschenscheuen Führungsduo zu sprechen. Diese Nähe ist nicht immer vorteilhaft. Sie verführt Levy dazu, sich in Personen, Erfindungen, Anekdoten zu verlieren. Sein Buch ist keine bloße Ergebenheitsadresse, aber thesenarm. Ihm fehlt die Außensicht.

          Das Erfolgsprinzip von Google

          Levy wählt die Perspektive der Gründungslegende und erzählt die Geschichte eines Unternehmens, das von Beginn an ein Abbild seiner Gründer sein sollte, der ewig jungenhaften Geeks Larry Page und Sergej Brin, die sich auf dem Campus von Stanford kennenlernten und eine Suchmaschine gründeten, die allmählich vom Forschungsprojekt zum kommerziellen Unternehmen wurde, ohne die akademischen Züge ganz abzustreifen. Für das Verspielte steht weiter das Legobunt der Unternehmenskultur - auch wenn es mittlerweile oft eine aggressive Note hat -, die Gymnastikbälle, Lavalampen und Spielzeugecken. Legendär ist die Anekdote, wie Brin und Page beim Diner mit Prinz Philip den Sirup für das Soufflée wie Schnaps hinuntergossen, statt ihn der Etikette gemäß auf das Dessert zu träufeln.

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