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: Experiment Ähnlichkeit

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Was ist denn das? werden Sie sich vielleicht fragen, wenn Sie die Bilder auf dieser Seite sehen. Da steht ein Kandinsky neben der Aufnahme eines Planetennebels, Munchs "Schrei" neben einem gemaserten Holzstamm oder van Goghs "Blühender Mandelbaum" neben sogenannten Myxobakterien. Diese Pärchen, das ...

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          Was ist denn das? werden Sie sich vielleicht fragen, wenn Sie die Bilder auf dieser Seite sehen. Da steht ein Kandinsky neben der Aufnahme eines Planetennebels, Munchs "Schrei" neben einem gemaserten Holzstamm oder van Goghs "Blühender Mandelbaum" neben sogenannten Myxobakterien. Diese Pärchen, das sei vorausgeschickt, haben wir uns nicht ausgedacht, sie sind Inhalt des Bandes "Das Schöne und die Wissenschaft", und sie sind vor allem repräsentativ für ein sich gegenwärtig lawinenartig ausbreitendes Argumentationsmuster.

          "Eine neue Interdisziplinarität", heißt es im Vorwort des Buches, "macht den Anfang des 21. Jahrhunderts zu einer ebenso erstaunlichen wie erhebenden Epoche der Wissenschaftsgeschichte." Von dem Weg in eine "neue Renaissance" ist die Rede, von wissenschaftlichem Fortschritt und dem Forscher, der kreativ bleiben müsse - "das rückt ihn in die Nähe des Künstlers".

          Dahinter steht also die Behauptung, dass Kunst und Wissenschaft derzeit wieder näher zusammenrücken. Diese Vorstellung wird von zahlreichen Personen und auch Institutionen getragen: Um den Dialog zwischen Kunst und Wissenschaft weiter auszubauen, hat sich zum Beispiel an der Berliner Charité die "Association of Neuroesthetics" gegründet, das renommierte University College in London unterhält ein ganzes "Institute of Neuroesthetics", und die Stiftung des Pharmakonzerns Schering betreibt ein Programm zur Förderung von Wissenschaft und Kunst. Wissenschaftler suchen den Schulterschluss mit Künstlern - und umgekehrt: Bei der Gründungsveranstaltung der "Association of Neuroesthetics" saß der Künstler Olafur Eliasson auf dem Podium, und wo in den letzten Jahren von Kunst gesprochen wird, ist die Wissenschaft nie weit. Routinemäßig werden künstlerische Arbeiten als "Experimente" bezeichnet, Ateliers als "Labors" oder Künstler als "Forscher". Der Kunstbetrieb hat sich den Wissenschaftsjargon einverleibt. Und jetzt kommen die Buchautoren Jean Claude Ameisen und Ivan Brohard - der eine Arzt und Professor für Immunologie in Paris, der andere Historiker und Kurator - mit diesem opulent ausgestatteten Bildband, darin das Versprechen: "Wenn den Wundern der Wissenschaft die Pracht von Kunstwerken gegenübergestellt wird, lassen sich verblüffende Parallelen aufzeigen."

          Zurück ins Jahr 1996: In diesem Jahr heckt der amerikanische Physiker Alan Sokal einen berüchtigten Scherz aus; er schreibt einen kleine Aufsatz und reicht ihn bei der Zeitschrift "Social Text" ein, die ihn auch druckt - worauf Sokal klaren Tisch macht. Alles, was er in diesem Aufsatz geschrieben habe, sei Humbug, ganz nachweislich falsch und erfunden, eine Parodie postmodernen Denkens. Der Aufsatz trägt den Titel "Die Grenzen überschreiten: Auf dem Weg zu einer transformativen Hermeneutik der Quantengravitation" und vertritt entlang einer Reihe abenteuerlicher logischer Sprünge und sachlicher Fehler die These, dass die physikalischen Wissenschaften nicht mehr als ein soziales Konstrukt seien. Hauptangriffsziel von Sokal war der Relativismus, die Behauptung, dass sich hinter jeder Erkenntnis eine soziale Konstruktion verberge, dass es keine Beweise, Fakten oder Tatsachen gebe, sondern nur gesellschaftliche oder sprachliche Konstrukte.

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