https://www.faz.net/-gr3-121rd

: Existenz des Zweifels

  • Aktualisiert am

Wer heute gegen poetische Regeln verstoßen will, hat es schwer. Christoph Geiser unternimmt dennoch den dezidierten Versuch; die Gattungsangabe seines jüngsten Buches lautet schlicht: "Ein Regelverstoß". Dieser mäandernde Strom von Gedanken ist Erinnerungs- und Skizzenbuch, zugleich kulturhistorischer ...

          1 Min.

          Wer heute gegen poetische Regeln verstoßen will, hat es schwer. Christoph Geiser unternimmt dennoch den dezidierten Versuch; die Gattungsangabe seines jüngsten Buches lautet schlicht: "Ein Regelverstoß". Dieser mäandernde Strom von Gedanken ist Erinnerungs- und Skizzenbuch, zugleich kulturhistorischer Essay, autobiographisches Bekenntnis und streckenweise provozierende politische Streitschrift. Vor allem aber ist es ein Buch über Liebe und Kunst, und kunstvoll verschlungen ist auch seine Sprache, die von Wortspielen durchzogen wird. Geiser beschreibt wie schon in früheren Werken detailliert die Freuden der gleichgeschlechtlichen Lust und erkundet verschiedene Formen des Begehrens, wofür er gern den biologischen Begriff der "Appetenz" verwendet. Verbunden sind teilweise sehr persönliche Erinnerungen mit Reflexionen über Politik und Gesellschaft - den Ausbruch der Aids-Epidemie, das Ende des Ostblocks, die Terroranschläge des 11. September 2001. Bei alledem zieht Geiser sein eigenes Lebenskonzept einer poetisch-ästhetischen Existenz immer wieder in Zweifel. Zentral ist für diesen skeptischen Romantiker die Frage, wie nach dem Ende der Utopien die Suche nach dem Absoluten - in der Kunst, in der Liebe, in der Politik - überhaupt noch möglich ist. (Christoph Geiser: "Wenn der Mann im Mond erwacht". Ein Regelverstoß. Ammann Verlag, Zürich 2008. 304 S., geb., 19,90 [Euro].) sdoe

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kommt es zum neuen Kalten Krieg zwischen China und den Vereinigten Staaten?

          Amerika gegen China : Ein Planet – zwei Welten

          Internet, Finanzsystem und Forschung: Wie im Kalten Krieg droht die Welt wieder in zwei Blöcke zu zerfallen. Wie sich das anfühlen würde, wird immer greifbarer.
          „Monte Kali“: Die Abraumhalde bei Heringen im hessisch-thüringischen Grenzgebiet

          Kalisalzabbau in Thüringen : Der salzigste Fluss Europas

          Die Entsorgung von Abwasser aus dem Kalibergbau in Werra und Weser sollte längst vorbei sein. Aber der Bergbaukonzern K+S beantragt immer wieder eine Verlängerung – sehr zum Ärger Thüringens.

          Öl-Katastrophe : Frachter vor Mauritius auseinandergebrochen

          Der aufgelaufene Frachter bescherte Mauritius die schlimmste Öl-Katastrophe, die der Inselstaat je erlebt hat. Nun hat es das Schiff in zwei Teile zerrissen. 1000 Kilometer vor der Küste soll der Bug versenkt werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.