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: Erst Likör, dann Raffael

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Er war von königlichem Geblüt: Der 1822 geborene Henri-Eugène-Philippe-Louis d'Orléans, besser bekannt unter seinem Titel des Herzogs von Aumale, entstammte Zweigen der Häuser Orléans und Bourbon, die jahrhundertelang Frankreichs Herrscher gestellt hatten. Als neuntes Kind von Louis-Philippe, dem ...

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          Er war von königlichem Geblüt: Der 1822 geborene Henri-Eugène-Philippe-Louis d'Orléans, besser bekannt unter seinem Titel des Herzogs von Aumale, entstammte Zweigen der Häuser Orléans und Bourbon, die jahrhundertelang Frankreichs Herrscher gestellt hatten. Als neuntes Kind von Louis-Philippe, dem Bürgerkönig, gehörten Philippe d'Orléans, Bruder von Louis XIV, und Marie-Adélaïde de Penthièvre, eine Enkelin des Sonnenkönigs, zu seinen Vorfahren. Standesgemäß lebte der Duc d'Aumale lange auf Schloß Chantilly unweit von Paris und an einem großen, auch der Jagd dienenden Wald. Es geht auf eine mittelalterliche Burg zurück, die zunächst den in Diensten des Hauses Valois stehenden Montmorency, dann den Bourbon-Condé gehörte und seit 1834 Kulisse berühmter Pferderennen ist. Heute ist im Château de Chantilly das Musée Condé untergebracht, eines der bedeutendsten Museen Frankreichs, ebenso bekannt für seine Meisterwerke wie für seine Statuten, die es verbieten, Leihgeber für Ausstellungen zu sein.

          Als der Duc d'Aumale 1897 in der Nähe von Palermo im Sterben lag, blickte er auf ein ereignisreiches Leben zurück. Diesem hat nun der französische Politiker Éric Woerth unter Mitarbeit der Historikerin Laurence Deffayet mit einer Biographie Konturen verliehen: Das Buch, in dem man sich einige Abbildungen mehr gewünscht hätte, hat einen sehr nützlichen Anhang und erzählt die Vita eines Mannes, dessen Herkunft gleichermaßen Privileg wie Fluch war, der zwar geachtet, aber auch in Sippenhaft genommen wurde. Mit seiner dem sizilianischen Zweig der Bourbonen angehörenden Frau und seinen Söhnen mußte er zweiundzwanzig Jahre im Exil - in England - leben, wo der Herzog eigene Schlüsse aus dem Erbe des Ancien régime, der Revolution von 1789 und dem Schwanken Frankreichs zwischen Kaisertum und konstitutioneller Monarchie zog. Zur Enttäuschung vieler Familienmitglieder und Royalisten ließen ihn seine Überlegungen nach 1870/71 zu einem Verteidiger der Demokratie und republikanischer Überzeugungen werden.

          Naturgemäß ist die Biographie eines der bedeutendsten Sammlers des 19. Jahrhunderts auch die eines mit Geschichte und Politik untrennbar verbundenen Menschen, der die Erziehung eines Prinzen genoß, früh ans Theater herangeführt wurde, sich als junger General in Algerien die Sporen verdiente und später, als General der Armee verbunden bleibend, als Financier im Pressewesen, als Abgeordneter und als Mitglied der Académie Française hervortrat. Schließlich wird seine Rolle als Bauherr angesprochen; denn von Schloß Chantilly war infolge der Revolution nicht viel übriggeblieben. Nach dem frühen Tod seiner Frau 1869 und aller vier Söhne, die im Säuglingsalter oder als junge Erwachsene starben, war es eines seiner letzten großen Lebensziele, Chantilly eine neue, aber seiner Historie entsprechende Gestalt zu verleihen, ein Schatzhaus für herausragende Bücher und Kunstwerke sowie ein Denkmal der Geschichte Frankreichs zu bauen. Erst nach der Rückkehr in sein Heimatland 1871 konnte er sich wieder ersten, 1847 erarbeiteten Plänen zum Bau eines neuen Schlosses widmen: Chantilly, damals größte private Baustelle des Landes, knüpfte im wesentlichen in den Jahren 1875 bis 1886 mit Formen der französischen Renaissance an seine ruhmreiche Vergangenheit der Valois und Condé an.

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