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Elihu Lauterpacht: The Life of Hersch Lauterpacht : Damit Weltpolitik unter der Herrschaft des Rechts bleibt

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Das Vermächtnis eines herausragenden Völkerrechtlers: Die großen Themen im Werk von Hersch Lauterpacht sind in unseren Zeiten der „humanitären Intervention“ von ungebrochener Aktualität.

          Ein sehr englischer Engländer müsse er sein, der Vertreter der Regierung Seiner Majestät in der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen, die sich im Sommer 1947 an die Ausarbeitung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte machte. Eric Beckett, Rechtsberater des Foreign Office, stellte sich einen Kandidaten vor, der „durch sein Leben und seine Erbanlagen“ durchdrungen sei „von der wirklichen Bedeutung der Menschenrechte, so wie wir sie in diesem Land verstehen“.

          Der in Cambridge lehrende Völkerrechtler Hersch Lauterpacht, der 1945 den Band „An International Bill of the Rights of Man“ vorgelegt hatte und als führender Experte gelten konnte, kam für Beckett nicht in Betracht. Lauterpacht sei zwar ein herausragender Völkerrechtler, aber am Ende eben doch „ein Jude, der unlängst erst aus Wien gekommen“ sei.

          Ressentiments im Foreign Office

          Dabei hatte Hersch Lauterpacht, seit 15 Jahren Untertan Seiner Majestät, in seinen 23 Jahren im Vereinigten Königreich nicht nur eine steile Karriere absolviert, sondern auch als Erster das britische Verfassungsrecht systematisch nach menschenrechtlichen Garantien durchforstet. Vehement kritisierte er das Projekt einer nur deklaratorischen Menschenrechtserklärung ohne rechtliche Bindungswirkung. Damit gehe man hinter die teilweise verbindlichen Vorschriften der UN-Charta zurück und versäume, zunächst gründlich über das Verhältnis des Einzelnen zum Staat nachzudenken.

          Denn um die Menschenrechte institutionell zu verankern und universal durchsetzbar zu machen, seien Veränderungen in Recht und Praxis der Staaten unabdingbar. Lauterpachts Werk sollte die Völkerrechtsentwicklungen des zwanzigsten Jahrhunderts nachhaltig prägen. Eine Mitwirkung an den grundlegenden Texten der internationalen Nachkriegsordnung aber versagten ihm, der seit den dreißiger Jahren immer wieder eng mit der britischen Regierung zusammengearbeitet hatte, die Ressentiments im Foreign Office.

          Offenkundig eine Sohnespflicht

          Als Lauterpacht 1954 für das Richteramt am Internationalen Gerichtshof nominiert wurde, wurden noch einmal Stimmen laut, die meinten, der Gelehrte sei nicht „durch und durch britisch“, in dieser Hinsicht qualifiziere ihn weder Herkunft noch Name und Ausbildung. Doch diesmal hatte das Außenministerium entschieden, den Platz auf der Richterbank im Haager Friedenspalast mit dem „bei weitem Herausragendsten“ unter den britischen Völkerrechtlern zu besetzen, der auch international hohes Ansehen genoss.

          Einen ganz unmittelbaren Blick auf öffentliches und privates Leben des 1960 verstorbenen Völkerrechtlers erlaubt nun die von seinem Sohn Elihu Lauterpacht vorgelegte, lang erwartete Biographie. Mit dem Werk des Vaters haben sich in Einzelstudien so eminente Juristen wie Arnold McNair, C.W. Jenkins, Gerald Fitzmaurice und Shabtai Rosenne beschäftigt; in jüngerer Zeit haben es Martti Koskenniemi und dessen Schülerin Reut Paz unternommen, die Völkerrechtslehre Lauterpachts auch von seiner biographischen Erfahrung her zu entschlüsseln. Eine Gesamtdarstellung aber fehlte bislang; für den zweiundachtzigjährigen Elihu Lauterpacht war sie offenkundig eine Sohnespflicht, auch wenn er bekennt, dass er sich der Aufgabe nur zögernd genähert habe - der allzu großen Nähe zum Gegenstand wegen.

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