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: Eine Kanzel für den Bankier Mellini

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Mehr als achtzig Jahre ist es her, daß Leopold Dussler seine Monographie über den Florentiner Bildhauer Benedetto da Maiano schrieb. Für ihn war Benedetto ein zweitrangiger Künstler, der wie viele seiner Bildhauerkollegen in der zweiten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts einem "Idealismus" verpflichtet war, der sich aus dem "Realismus" eines Donatello und Verrocchio entwickelt hatte.

          Mehr als achtzig Jahre ist es her, daß Leopold Dussler seine Monographie über den Florentiner Bildhauer Benedetto da Maiano schrieb. Für ihn war Benedetto ein zweitrangiger Künstler, der wie viele seiner Bildhauerkollegen in der zweiten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts einem "Idealismus" verpflichtet war, der sich aus dem "Realismus" eines Donatello und Verrocchio entwickelt hatte. Die erste Phase des Quattrocento stand für Schöpferkraft und Naturnähe, die Jahrzehnte danach für eine "schwülstige, aufgeblasene Reife", wie sie Adolfo Venturi 1908 an Benedettos Skulpturen abzulesen glaubte.

          Für Jacob Burckhardt aber war er einer der bedeutendsten Bildhauer seiner Zeit, der mit seinem Spätwerk maßgeblich die Plastik des Cinquecento beeinflußt habe. Marcel Reymond bestätigte 1899 diese Beobachtung und präzisierte sie: Auch Michelangelo habe auf Benedettos Formenkanon reagiert. Magrit Lisner (1958) glaubte ein Jugendwerk des Genies in Gestalt eines Puttos gefunden zu haben, der Benedettos "Verkündigungsaltar" in Sant'Anna dei Lombardi in Neapel bekrönt. Doch diese Figur trägt nicht die Handschrift Michelangelos.

          Die Darstellung von Benedettos OEuvre und seiner Tätigkeit als Lehrer wird dadurch erschwert, daß er keine eigene Werkstatt besaß. Als Sohn eines Kunstschreiners (er wurde 1442 geboren) erlernte er zuerst dessen Handwerk und arbeitete zusammen mit seinen Brüdern Giuliano und Giovanni. Während Giovanni kaum greifbar wird, ist Giulianos Tätigkeit gut dokumentiert. Er sollte Hofkünstler des Hauses Aragon in Neapel werden und starb dort 1490.

          Dickliches Gesicht

          Mehrfach errichtete Giuliano Architekturen, die durch Benedettos Skulpturen ausgeschmückt wurden. In den Verträgen erscheint jedoch nur Giuliano als der Verantwortliche. Erst 1488, mit sechsundvierzig Jahren, wird Benedetto in einem Vertrag erwähnt, der anläßlich der Erbauung und Ausstattung der Bartolus-Kapelle in Sant'Agostino in Gimignano geschlossen wurde. Die wenigen Werke der siebziger Jahre, die man ihm zuschreibt, basieren deshalb allein auf stilistischen Vergleichen. Seine Anfänge als Steinbildhauer hat die Forschung in der Werkstatt Antonio Rossellinos vermutet.

          Doris Carl, die sich schon in ihrer Dissertation 1981 mit Benedetto da Maiano beschäftigt hat, legt nun eine materialreiche Monographie vor, die auch den historischen Kontext der Aufträge berücksichtigt. Die Entdeckung weiterer Dokumente hat eine genauere Datierung von einigen Werken wie der Kanzel in Santa Croce möglich gemacht. Carl versucht außerdem, das Spektrum der Skulpturen durch Neuzuschreibungen zu weiten.

          Doch gerade hierin liegt das Problem des Buches: Die Analyse von Form und Stil ist nicht ihre Sache. Die hervorragende Fotodokumentation widerspricht häufig der Autorin. Sicher ist jedoch, daß der Engel vom Grabmal des Kardinals von Portugal in San Miniato al Monte in Florenz von Benedetto stammt. Das Volumen des Körpers und das leicht dickliche Gesicht sprechen ebenso dafür wie die Wendung des Kopfes und die Löcher des Drillbohrers im Haar. Hier wird Benedetto zum ersten Mal als selbständiger Künstler greifbar. Er ist vierundzwanzig Jahre alt und Schüler von Antonio Rossellino, an den der Auftrag für das Grabmal vergeben wurde.

          Als Rossellino vermutlich 1497 stirbt, ist es Benedetto, der mit der Vollendung des Grabmals der Maria von Aragon in Sant' Anna dei Lombardi in Neapel betraut wird. Das Monument sollte nach dem Willen des Auftraggebers eine Kopie des Kardinalgrabs in San Miniato sein. Die Kunstgeschichte hat immer wieder die Händescheidung an dem Grabmal in Neapel durchdekliniert - ohne Ergebnis.

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