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: Eine Frau aus Wien geht ihren Weg

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Sie war viel mehr als die Schwester des Philosophen Ludwig Wittgenstein: Eine Biographie holt das Leben der Margaret Stonborough-Wittgenstein aus dem Schatten. WIEN. Schon einmal - in den Jahren 1904/1905, während ihrer Brautzeit - hatte ein berühmt-berüchtigter Frauenfreund sie, diese hochintelligente und geistreiche Schönheit aus bestem Hause, porträtiert.

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          Sie war viel mehr als die Schwester des Philosophen Ludwig Wittgenstein: Eine Biographie holt das Leben der Margaret Stonborough-Wittgenstein aus dem Schatten. WIEN. Schon einmal - in den Jahren 1904/1905, während ihrer Brautzeit - hatte ein berühmt-berüchtigter Frauenfreund sie, diese hochintelligente und geistreiche Schönheit aus bestem Hause, porträtiert. Tatsächlich sollte es bei Gustav Klimts Porträt bleiben. Denn als sich die durchaus vermögende Österreicherin mit amerikanischem Paß im Herbst 1928 abermals von prominenter Stelle malen lassen wollte, verweigerte kein anderer als Pablo Picasso, damals schon ganz Malerfürst, im Herbst 1928 ein Treffen in Paris.

          Auch diesmal, wie fast ein Vierteljahrhundert zuvor, stand die jetzt Sechsundvierzigjährige vor einem neuen Lebensabschnitt: Sie hatte sich gerade, als Bauherrin, ein Heim geschaffen, das - so befand ihre Schwester - zu ihr paßte "wie der Handschuh auf die Hand", ein Haus, das Architekturgeschichte schreiben sollte. In die Kunstgeschichte freilich ging sie mit jenem Bildnis ein, das Klimt schuf, kurz vor ihrer Eheschließung mit Jerome Stonborough.

          Die Wiener Kunsthistorikerin Ursula Prokop hat nun den Versuch unternommen, Margaret Stonborough-Wittgenstein in einer umfassenden Biographie als Bauherrin, Intellektuelle und Mäzenin der Kunst und Wissenschaft zu würdigen und sie so aus einem - nicht immer freundlich formulierten - Randdasein als Schwester des Philosophen Ludwig Wittgenstein zu befreien. Doch zunächst einmal war Margaret, familienintern stets "Gretl" genannt, Margherita und vor allem Tochter. Für die Eltern Karl und Leopoldine, beide aus jüdisch-assimilierten Familien stammend, ist Margaret das siebente Kind von neun. Der Vater, der gemeinsam mit Paul Kupelwieser das mächtigste Eisen- und-Stahl-Imperium der Donaumonarchie errichtete, war kurz vor seinem Abitur im Alter von siebzehn Jahren mit einer Geige, einem gefälschten Paß und einer Barschaft von nur 200 Gulden von zu Hause ausgebüchst, um zwei Jahre lang in Amerika das Abenteuer zu suchen; erst danach erlangte er die Hochschulreife und absolvierte sein Technikstudium. Er war erfolgreich, gutaussehend, sportlich wie musisch talentiert, hatte Witz - kurz, er war nahezu perfekt.

          Ein Umstand, der die drei überlebenden Töchter Hermine, Helene und Margaret - Dora, die zweitgeborene, war bei der Geburt gestorben - weniger betraf als die Söhne: Diese, sämtlich von musischer Veranlagung wie ihre Schwestern, scheiterten am übermächtigen Vater, dem eine völlig überforderte Ehefrau zur Seite stand. Hans und Rudi begingen noch als junge Männer Selbstmord; Kurt setzte 1918 als Offizier an der italienischen Front seinem Leben ein Ende. Nur die jüngeren Brüder Paul, der trotz des Verlusts seines rechten Arms im Ersten Weltkrieg seine Karriere als Pianist fortsetzte, und Ludwig, der sein gesamtes Erbe den Geschwistern (mit Ausnahme von Margaret) überläßt, können sich einigermaßen vom Vater emanzipieren.

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