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Edward O. Wilson: Die soziale Eroberung der Welt : Zuerst die Ameisen und dann die ganze Welt

Bild: C. H. Beck Verlag

Edward O. Wilson versucht sich an einer biologischen Geschichte des Menschen und meint endlich herausgefunden zu haben, was es mit uns im Grunde auf sich hat.

          5 Min.

          Edward O. Wilson ist Ameisenforscher. Nicht irgendeiner, sondern ein Doyen des Fachs. Über Ameisen und andere soziale Insekten hat er wunderbare Bücher geschrieben. Für eines von ihnen, gemeinsam mit Bert Hölldobler vor mehr als zwanzig Jahren veröffentlicht, bekam er sogar den Pulitzer-Preis (seinen zweiten überdies). Wer sich die faszinierenden Organisationsleistungen sozialer Insekten vor Augen führen will, kann auch zu neueren Büchern dieser beiden Autoren greifen, etwa zu dem vor kurzem auf Deutsch erschienenen Band über den „Superorganismus“ (F.A.Z. vom 26. Januar 2010) oder zur Monographie über die Blattschneiderameisen.

          Helmut Mayer

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Aber Edward O. Wilson hat auch eine Ader für sehr grundsätzliche Überlegungen zur Rolle seiner Disziplin, der Biologie. Mitte der siebziger Jahre führte er die Soziobiologie ins Feld, die den naturgeschichtlich formierten Anteil menschlicher Dispositionen und Verhaltensweisen stark machte. Und wem damals noch nicht klar wurde, dass damit Biologie zur Fundamentalwissenschaft aufrücken sollte, dem öffnete Wilson später mit einem Buch über die „Einheit des Wissens“ die Augen, in dem er - an allen konzilianten Formulierungen vorbei - die Biologie zur eigentlichen Basis eines sehr einfach gestrickten einheitswissenschaftlichen Entwurfs machte. Von solchen beherzten Ausblicken war es weit zum Studium der sozialen Insekten.

          Ameisen und Menschen

          Nun aber hat der mittlerweile über achtzigjährige Wilson diese beiden Stränge zusammengeführt, seine Beschäftigung mit sozialen Insekten mit seinem Programm eines biologisch grundierten Bildes des Menschen und dessen Geschichte verknüpft. Der Ansatzpunkt, den er dafür wählt, rührt an die Faszination, welche die sozialen Insekten und die Ameisen insbesondere auslösen: Sie führen uns schließlich vor Augen, dass es viele Millionen Jahre vor der rasanten Verbreitung unserer Vorfahren über den Globus schon andere Spezies zu einer dauerhaften Weltherrschaft gebracht haben. Auf anderen Wegen und mit weniger Aufwand, was die Hervorbringung der arbeitsteiligen Organisation ihres Gemeinschaftslebens betrifft, das gerade deshalb wie am Schnürchen abläuft. Wobei die Faszination vom Eindruck des Unheimlichen kaum zu trennen ist, der mit der Spiegelung unseres eigenen Gesellschaftslebens im „Ameisenstaat“ einhergeht.

          Für den Biologen Wilson zählen die Ameisen wie die Menschen zu den Fällen, in denen sich „Eusozialität“ herausgebildet hat: das Zusammenleben von mehreren Generationen in einem gemeinsamen Nest oder Bau samt Formen der Spezialisierung der Gruppenmitglieder auf bestimmte Aufgaben. Was im Fall der Ameisen insbesondere eine reproduktive Arbeitsteilung - zwischen der Königin und ihren (fast) sterilen Arbeiterinnen - einschließt. Die Erstreckung des Begriffs von Eusozialität auf menschliche Gemeinschaften ist dabei alles andere als evident. Man kann sich hier daran halten, was Wilson hauptsächlich vor Augen steht: die Tendenz zum Leben in Gemeinschaft, in einer Gruppe.

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