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Drei neue Bücher über Emil Nolde : Meine Kunst ist deutsch, stark, herb und innig

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Glühende Farben für ein exotisches Motiv: Emil Noldes „Indische Tänzerin“ aus dem Jahr 1917, heute im Besitz der Stiftung Seebüll Bild: Interfoto/ Nolde-Stiftung

Seinen Erfolg als Maler hat er sich erkämpft, den Nationalsozialisten steht er nahe. Dann werden sein Bilder für „entartet“ erklärt: Drei neue Bücher über Emil Nolde zeigen, dass sich Opfer und Täter unter den Künstlern nicht immer leicht scheiden lassen.

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          Zu Emil Nolde, dem expressionistischen Maler, der 1956 in Seebüll starb, sind jetzt gleich drei Bücher erschienen: eines für jugendliche Leser, die beiden anderen für Erwachsene. Spontan greift man zuerst zum Jugendbuch, in der Hoffnung, dort am schnellsten Auskunft zu erhalten. Das ist ja das Versprechen der Jugendbücher: dass sie eine Geschichte oder einen Sachverhalt besonders anschaulich darstellen und damit den Einstieg in ein Thema ermöglichen.

          Es verhält sich allerdings genau umgekehrt. Ausgerechnet das Jugendbuch, das in einer Reihe mit dem Titel „Junge Kunst“ erschienen ist, lässt den Leser eher verwirrt und mit vielen Fragen zurück. Und wer nach Antworten sucht, der sollte gleich zu den beiden anderen Neuerscheinungen greifen: Zum einen die Nolde-Biographie der Publizistin Kirsten Jüngling, zum anderen ein hervorragender Sammelband über „Ausstellungswesen und Sammlungspolitik in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg“, der aus einer kunsthistorischen Tagung am Kölner Museum Ludwig hervorgegangen ist.

          Eine vertane Chance: Das Jugendbuch

          Was macht das Jugendbuch „Emil Nolde“ so verwirrend? Auf knapp vierzig reich bebilderten Seiten wird darin die künstlerische Entwicklung von Nolde vorgestellt, angehängt ist zudem eine Kurzbiographie, außerdem einige Briefe, Aufzeichnungen und andere Dokumente. Irritierend macht die Lektüre weniger der Text, der im Buch steht, als jener, der fehlt. Denn natürlich ist der Teil der Biographie, den das Buch erzählt, ganz richtig: Emil Nolde wurde als Hans Emil Hansen 1867 in Nordschleswig geboren. Die Karriere als Künstler wird ihm nicht in die Wiege gelegt, er muss sie sich erstreiten. Erst gegen den Vater, einen Landwirt, dann gegen die Münchner Kunstakademie, gegen Franz von Stuck, der seine Bewerbung ablehnt.

          Es ist der Erfolg einer Serie von selbst gemalten Bergpostkarten, die Nolde in hoher Auflage drucken lässt, die ihm den finanziellen Rückhalt gibt, sich für den Beruf Künstler zu entscheiden. Private Malschulen ebnen weiter den Weg. Nolde malt sich durch zahlreiche Gattungen: Landschaften, Gärten und Sagen und Mythen, Bibelmotive, Nachtleben, die Südsee. Er liebt seine Heimat und unternimmt doch große Reisen, nach Neuguinea, in die Schweiz, nach Dänemark, Italien, Schweden, England, Frankreich und Spanien. Was Nolde zu Papier oder auf die Leinwand bringt, erstrahlt in glühender Farbigkeit. Die zum Teil innovativen Maltechniken Noldes sind auch Thema des Jugendbuchs. Der Ton ist meist sachlich, die gängigen Künstlerklischees werden dennoch bemüht. Als Nolde etwa 1907 aus der Künstlervereinigung „Die Brücke“ wieder austritt, nachdem man zuvor heftig um ihn geworben hatte, heißt es: „Nolde blieb der Einzelgänger, der seinen Weg als Künstler alleine gehen wollte.“

          Junge Kunst Band 11: „Emil Nolde“. Mit Beiträgen von Christian Ring und Hans-Joachim Throl Bilderstrecke

          Bogen um den Nationalsozialismus

          „Einzelgänger“, „alleine gehen“ - das ist ein häufig bemühtes Bild, es entspricht dem Ideal künstlerischen Schaffens, das möglichst unangepasst und unabhängig sein soll. Aber passt es zu Nolde? Um zu wissen oder wenigstens schon gehört zu haben, dass es durchaus eine Bewegung gab, der sich Nolde gern angeschlossen hätte, muss man kein Kenner sein: Die Rede ist vom Nationalsozialismus. Bei wem sich allerdings ein Da-war-doch-noch-etwas-Gefühl einstellt, bleibt damit bei diesem Buch allein.

          Die einschlägigen Fakten werden im schnellen Slalom umfahren. Da heißt es etwa lapidar: „Noch wenige Jahre zuvor hatte Nolde gehofft, vom nationalsozialistischen Regime anerkannt zu werden, doch wurden 1937 in den deutschen Museen 1052 seiner Arbeiten im Rahmen der Aktion gegen die sogenannte ,entartete Kunst‘ beschlagnahmt und öffentlich diffamiert.“ Später noch die Stelle : „Als dänischer Staatsbürger wird Nolde Mitglied der 1935 in Nordschleswig gegründeten NSDAP-N.“ Das war’s. Mehr sollen jugendliche Leser offensichtlich nicht über Nolde und den Nationalsozialismus erfahren.

          Aufschlussreich: Kirsten Jünglings Quellenkritik

          Wer Aufklärung sucht, kann zum Glück zu Kirsten Jünglings Biographie greifen. Auf knapp dreihundert Seiten erzählt die Autorin klug und kurzweilig Noldes Leben. Zudem hat sie sich die Mühe gemacht, die „Editionsgeschichte von Noldes autobiographischen Schriften“ zu untersuchen, das heißt nachzuprüfen, was aus seinen Lebenserinnerungen wann gestrichen wurde. Anschaulicher kann man Nolde und dessen wechselndes Verhältnis zum Nationalsozialismus nicht beschreiben.

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