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Drei Bücher über die Arabellion : Mit Opportunisten wird das nichts

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Bild: Verlag

Aufstand der Jugend: Ein Jahr nach dem Beginn der Arabellion beschäftigen sich mehrere Bücher mit den Hintergründen, dem Verlauf und den Folgen der Umstürze.

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          Wer zu spät kommt, den belohnt der Wähler. Zumindest in Ägypten. Als Sieger aus den Parlamentswahlen gingen dort islamistische Parteien hervor, die sich am Aufstand gegen Husni Mubarak zunächst nicht beteiligt hatten. Erst als die von säkularen Kräften getragene Revolte Ende Januar 2011 an Fahrt aufnahm, rief die Führung der Muslimbruderschaft den Präsidenten zu Reformen auf; ohne dass sich ihre Anhänger an den Protesten beteiligten.

          Geschadet hat ihr diese Haltung nicht: Bei den anstehenden Koalitionsverhandlungen kann sie zwischen liberalen Bündnispartnern und den extremistischen Salafiten der Nur-Partei wählen. Die hatten sich erst gar nicht der Freiheitsbewegung auf Kairos Tahrir-Platz angeschlossen, sondern warteten den Sturz Mubaraks ab, ehe sie die politische Bühne betraten.

          Ein ehemaliger Muslimbruder beobachtet die Revolution

          Ein Jahr nach dem Sieg der Achtzehn-Tage-Revolution in Ägypten und der Flucht des tunesischen Präsidenten Zine al Abidine Ben Ali nach Saudi-Arabien ist fast ein Dutzend deutschsprachiger Sachbücher erschienen, die sich der schnell als "Arabischer Frühling" titulierten Aufstände in unterschiedlicher Form annehmen. Die Journalisten Karim El-Gawhary, Julia Gerlach und Jörg Armbruster etwa haben ihre Vororterlebnisse zu Papier gebracht; vornehmlich in Reportageform schildern sie den Verlauf der Ereignisse in Nordafrika in der ersten Jahreshälfte 2011.

          Der Deutsch-Ägypter Hamed Abdel-Samad, bis zu seiner Auswanderung nach Deutschland Anfang der neunziger Jahre selbst Mitglied der Muslimbruderschaft, nimmt dagegen sowohl die Rolle des Aktivisten wie des kritischen Beobachters ein.

          Michael Lüders und Volker Perthes gehen darüber hinaus: Sie werfen den Blick nach vorn, entwerfen Szenarien, wo die arabischen Staaten in ein paar Jahren stehen könnten. Getragen sind ihre Analysen von verhaltenem Optimismus. Nicht zuletzt der sachkundige Blick auf die unterschiedlichen Vertreter des politischen Islam macht die Lektüre spannend.

          Die erwartete Pluralisierung der politischen Systeme fordere auch Ägyptens Muslimbrüder und ihre arabischen Geschwister heraus, so die einigende These: Sie müssten sich lösen "von einer dogmatisch verstandenen Scharia" und offen zeigen "für neue Ideen und Bündnisse", schreibt Lüders. Perthes, Direktor der Berliner Stiftung für Wissenschaft und Politik, kommt zu dem Schluss: "Die Öffnung der politischen Systeme zwingt auch das politisch-islamische Spektrum zu mehr Pluralismus."

          Nicht den Durchmarsch der religiösen Kräfte, wie von manchem im Westen gefürchtet, sehen die Autoren als zwangsläufige Folge der arabischen Transformation an, sondern deren Ausdifferenzierung in extremistische, konservative und progressive Strömungen, was in manchen Fällen zu Spaltung und Zersplitterung führen wird. In Ägypten hat dieser Prozess längst begonnen. Abdel-Samad verweist darauf, dass die 1928 gegründeten Muslimbrüder schon immer unterschiedliche Flügel hatte - einen missionarischen, der sich mit der Al-Azhar-Universtität identifizierte, einen salafitisch-konservativen, einen dschihadistischen sowie einen liberalen.

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