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: "Die Wahrheit"

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mic. PARIS. Die Fernsehkameras zeigten den leeren Präsidentensessel. Wie keiner seiner Vorgänger setzte Valéry Giscard d'Estaing seinen Abschied vom Elysée-Palast in Szene. Das war 1981. Fast 18 Jahre hat Giscard gebraucht, das Erlebte in Worte zu fassen. Soeben ist der dritte und letzte Band seiner ...

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          mic. PARIS. Die Fernsehkameras zeigten den leeren Präsidentensessel. Wie keiner seiner Vorgänger setzte Valéry Giscard d'Estaing seinen Abschied vom Elysée-Palast in Szene. Das war 1981. Fast 18 Jahre hat Giscard gebraucht, das Erlebte in Worte zu fassen. Soeben ist der dritte und letzte Band seiner "Le Pouvoir et la vie" ("Die Macht und das Leben") betitelten Memoiren erschienen. Der "Ex", wie die Franzosen ihren ehemaligen Staatspräsidenten nennen, fühlt sich seit jenem Tag im Mai von seinen Landsleuten im Stich gelassen. Er hält ihnen vor, seine Leistungen zum Wohle Frankreichs nicht angemessen geschätzt zu haben. Als Bewunderer Guy de Maupassants knüpft Giscard, der nach gehörigem politischem Druck in die Académie Française als Unsterblicher aufgenommen wurde, an die Tradition des Memoiren-Schreibens an. Charles de Gaulle hatte mit seinen "Mémoires de guerre" und seinen "Mémoires d'espoir" ein literarisches Denkmal hinterlassen. In seinem neuen und letzten Band untersucht Giscard die Einsamkeit der Macht. Er rechnet mit jenem ab, auf den er einen Großteil seiner negativen Energien seit 1981 verschwendet: Jacques Chirac. Auf dem Sterbebett habe François Mitterrand ihm 1995 gestanden, daß er die Wahl 1981 ohne einen Geheimpakt mit Chirac nicht gewonnen hätte. Beide hätten vereinbart, sich Giscards zu entledigen. Chirac soll seine Anhänger aufgefordert haben, im zweiten Wahlgang für den Sozialisten Mitterrand statt für den Bürgerlichen Giscard zu stimmen. "Sagen wir die Wahrheit, ich hatte meine Niederlage niemals in Erwägung gezogen", schreibt Giscard.

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