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: Die scharfe Delikatesse im bitteren Dunst

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Die italienische Automarke Lamborghini existierte bis vor kurzem unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Jetzt gehört sie zu Audi, und wir entdecken mit ihr ein weites Land der Ideale und Idole, der Phantasie und der Faszination. Reiseliteratur liefert dafür eine überaus reizvolle Zusammenstellung der Marken-Prospekte, mit denen versucht wurde, die extraterrestrischen Lamborghini zu verkaufen.

          Die italienische Automarke Lamborghini existierte bis vor kurzem unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Jetzt gehört sie zu Audi, und wir entdecken mit ihr ein weites Land der Ideale und Idole, der Phantasie und der Faszination. Reiseliteratur liefert dafür eine überaus reizvolle Zusammenstellung der Marken-Prospekte, mit denen versucht wurde, die extraterrestrischen Lamborghini zu verkaufen. Dabei kommt es nicht nur auf die Autos an, faszinierend waren sie schon immer. Die Form der Fotografie, die einstigen Texte und die Komposition der Verkaufsprospekte sind auch eine Reise durch die Zeiten aus den frühen sechziger Jahren bis in die Gegenwart.

          Ferruccio Lamborghini, selbst eine Persönlichkeit mit Anlagen zur Legendenbildung, hatte dafür gesorgt, daß im November 1963 der erste Sportwagen mit seinem Namen der Öffentlichkeit präsentiert wurde: Der 350 GT war zu einem hinreißend eleganten Sportwagen geworden und gleichzeitig zum Transformator bürgerlicher Ideale: In den Prospekten seiner Zeit parkt er vor einem herrschaftlichen Haus, man hört fast den Kies unter den Rennreifen knirschen und das Geräusch der Schuhe mit den hohen Hacken, auf denen eine unbekannte Schönheit mit schwarzer Hochfrisur und teurem Jackenkostüm eine von Topfpflanzen gesäumte Treppe herunterstöckelt. Ein Fenster des 350 GT ist geöffnet, ein Mann ist nicht zu sehen, fährt die Dame selbst? Auf einem anderen Bild ist wieder der großzügige Herrensitz im Hintergrund, zahlreiche Pflanzen in Töpfen aus Ton.

          Vor dreißig, vierzig Jahren waren auch Sportwagen mit Muskeln keine Monster. Sie trugen Maßanzüge und -hemden, quasi mit Krawatte. So wie Lemmy Caution, der zur zweiten Natur von Eddie Constantine geworden war und der auch nach schlimmen Prügeleien nie seine konfektionelle Korrektheit verloren hatte. Auch die ersten Lamborghini waren dem Landadel verpflichtet, den Maschinenproduzenten mit Hang zum Verfeinerten.

          Auch der elegante Lamborghini 350 GT ließ keinen Zweifel daran, gegen wen er anzutreten hatte: Ferrari war das Ziel, und deshalb kam er gleich mit einem Bilderbuchmotor und einer Künstlerkarosse. Zusammen war das eine Delikatesse: Das Aluminiumtriebwerk hatte zwölf Zylinderchen, 3464 Kubikzentimeter Hubraum, bei 6500/min gab es 270 PS, damit kam das 1200 Kilo wiegende Auto auf 250 km/h. In der Ebene des Po glich der schnelle Lamborghini damals trotz seiner wohlerzogenen Erscheinung einem Phantom, wenn er mit aufgeblendeten Scheinwerfern in einer Wolke aus Pappelbaumblättern auftauchte und den Nebel zerteilte wie der Metzger das Filet.

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