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: Die Politik im Segen der Päpste

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"Wohin steuert der Vatikan?" fragte 1973 Reinhard Raffalt, Vatikan-Korrespondent des Bayerischen Rundfunks, und blickte mit Skepsis auf die Modernisierung der römisch-katholischen Kirche unter Paul VI. Verkaufte dieser "Papst zwischen Religion und Politik" - wie der Untertitel von Raffalts Buch lautete ...

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          "Wohin steuert der Vatikan?" fragte 1973 Reinhard Raffalt, Vatikan-Korrespondent des Bayerischen Rundfunks, und blickte mit Skepsis auf die Modernisierung der römisch-katholischen Kirche unter Paul VI. Verkaufte dieser "Papst zwischen Religion und Politik" - wie der Untertitel von Raffalts Buch lautete - die Tradition und lief Modeströmungen nach, um die Kirche und den Vatikan als politischen Faktor am Leben zu erhalten? "Weltmacht Vatikan" antwortet wenig mehr als dreißig Jahre nach Raffalt Ludwig Ring-Eifel, Vatikan-Korrespondent der Katholischen Nachrichtenagentur und kaum minder ausgewiesener Kenner jener rätselhaften Welt hinter Mauern. "Päpste machen Politik", behauptet der Untertitel seines Buches, und, verglichen mit den bohrend zweifelnden Fragen Raffalts zum Zustand des römischen Papsttums unter Paul VI., erzählt Ring-Eifel die Geschichte eines überwältigenden Erfolges - erzählt diese Geschichte vor dem Hintergrund des mehr als ein Vierteljahrhundert währenden Ausnahmepontifikats Johannes Pauls II.

          Im polnischen Papst gipfelt für Ring-Eifel eine Entwicklung, die ein Jahrhundert zuvor niemand dem Papsttum zugetraut hätte. Als am 20. September 1870 die Truppen des italienischen Nationalstaats durch die Porta Pia nach Rom eindrangen, endete nach über tausend Jahren die Geschichte des Patrimonium Petri, der weltlichen Machtbasis des Papstes. Einem Phönix aus der Asche gleich habe sich das Papsttum von diesem Tiefpunkt, der vielen ein Endpunkt schien, zu neuem Glanz und weltpolitischer Bedeutung erhoben, bis hin zu einem Pontifex, der maßgeblich dazu beitrug, ein waffenstrotzendes kommunistisches Imperium lautlos in sich zusammenfallen zu lassen, und der zuletzt zum umworbenen Gesprächspartner der großen Politiker der Welt wurde, als es um Krieg oder Nicht-Krieg im Irak ging.

          Ring-Eifel nähert sich dieser Erfolgsgeschichte in drei Schritten. "Wie der Papst Politik macht" beschreibt Aufbau, Struktur und Funktionsweise der römischen Kurie, die eigenartige Verzahnung strenger Hierarchie und differenzierter Vielfältigkeit, das Mit- und Gegeneinander der vatikanischen Behörden und Kongregationen. "Wie der Vatikan zu seiner Macht kam", das umfangreichste Kapitel, erzählt ein Jahrhundert vatikanischer Geschichte, vom Ende des Kirchenstaates bis zum Pontifikat Pauls VI., bevor sich "Der Vatikan unter Wojtyla" ausgiebig mit dem aktuellen Pontifikat befaßt. Ein Ausblick, "Vatikanische Weltpolitik im 21. Jahrhundert", zeigt Perspektiven und Problemlagen für die Zeit nach Wojtyla.

          Eine Menge Stoff: Ring-Eifel bewältigt ihn mit Geschick, indem er Schlaglichter setzt, Grundpositionen vatikanischer Politik anhand von Exempeln vorführt, der Haltung des Papstes zum sogenannten Beratungsschein etwa, anhand seines Einsatzes für Solidarnosc oder der spezifischen Interessen des Heiligen Stuhls im Heiligen Land. So entsteht das Bild eines "global and moral players", der, gestützt auf das weltumspannende Netz seiner "Heerscharen" aus Priestern und Ordensleuten, in den zentralen Bereichen von Politik und Gesellschaft agiert.

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