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: Die Lust der Rothschilds auf Club Méditerranée

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Familienunternehmen sind bis heute das Rückgrat jeder Volkswirtschaft. Kabale und Liebe berühren deshalb die Ökonomie und ihre Erfolgsaussichten viel stärker, als es die Volkswirtschaftslehre wahrhaben will. Nach Sigmund Freud ist die Familie eine Brutstätte absonderlicher psychischer Abhängigkeiten, Perversitäten und anderer Nebenwirkungen.

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          Familienunternehmen sind bis heute das Rückgrat jeder Volkswirtschaft. Kabale und Liebe berühren deshalb die Ökonomie und ihre Erfolgsaussichten viel stärker, als es die Volkswirtschaftslehre wahrhaben will. Nach Sigmund Freud ist die Familie eine Brutstätte absonderlicher psychischer Abhängigkeiten, Perversitäten und anderer Nebenwirkungen. Das hinderte die Freuds nicht daran, eine erfolgreiche Familie zu sein und fast so etwas wie eine Dynastie der Psychoanalyse zu gründen. Bei aller Abgründigkeit stellt die Familie offenbar eine verläßliche Grundlage für Unternehmungen aller Art dar, weil sie Bindungen erzeugt, die stärker sind als bloß wirtschaftliche Interessen.

          "Dynasties" hat der englische Wirtschaftshistoriker David S. Landes im Original seine Geschichte der großen Wirtschaftsdynastien genannt. "Die Macht der Familie", so der deutsche Titel, trifft genauer den Stoff, um den es geht. Ob angestellte Manager ein Unternehmen führen oder ob Mitglieder einer Familie die Zügel in der Hand halten, bedeutet einen großen Unterschied. Zwar befaßt sich das Werk von Landes in erster Linie mit angelsächsischen, französischen und japanischen Unternehmerfamilien im Bankgewerbe, der Automobilindustrie und im Handel mit Rohstoffen. Selbstverständlich aber sind die Strukturen und Mechanismen von von Aufstieg und Niedergang auch in der deutschen Wirtschaftsgeschichte wiederzufinden.

          Ob es die Familien Krupp, Thyssen, Flick, Siemens, Quandt oder ob es die Fuggers sind, - diese "Aristokraten der modernen Industriegesellschaft" hatten maßgeblichen Anteil am wirtschaftlichen Aufstieg Europas - und sich dabei eine eigene Kultur erworben. Wer es nicht glauben mag, der kann etwa auf der Homepage der 1789 gegründeten Privatbank Sal. Oppenheim die Differenz im Auftritt gegenüber anderen Unternehmensformen bestätigt finden. Wenn Matthias Graf von Krockow als Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter feststellt: "Von allen Formen, die eine Bank haben kann, ist die Privatbank vielleicht die modernste", dann könnte er noch hinzufügen, daß sie auch eine der aufregendsten Formen ist. In der Dokumentation der Unternehmensgeschichte finden sich für das Jahr 2005 unter anderen folgende Einträge: 18. Januar - Die Bank gibt die Nachfolgeregelung für Alfred Freiherr von Oppenheim bekannt: Georg Baron von Ullmann wird Vorsitzender des Aufsichtsrats. 17. Oktober: Gemeinsam mit der Deutschen Bank beteiligt sich Sal. Oppenheim am chinesischen Kreditinstitut Hua Xia. Familie: 30. Oktober: "Shirocco" aus dem Stall Georg Baron von Ullmanns gewinnt den Breeders Cup Turf in New York.

          In einem einzigen Jahr also findet man drei, für jedes Familienunternehmen wichtige Ereignisse in chronologischer Reihenfolge: Die Frage der Nachfolge wurde glücklich gelöst; man kooperiert mit anderen Unternehmen, um auf vielversprechenden Märkten erfolgreich zu sein; und zu guter Letzt gewinnt auch noch ein Pferd aus dem eigenen Stall ein traditionsreiches internationales Rennen - ein Ausrufezeichen hinter allem, was nicht nacktes Geschäft ist und doch die eigene Unternehmenskultur bis hin zur Förderung von Wissenschaft und Kunst ausmacht. Kontinuität, Gewinn und Kultur, das ist - fast analog zu den adligen Dynastien - die Verbindung, die Privatunternehmen erfolgreich sein läßt und sie von gewissermaßen anonym geführten Unternehmen (nicht umsonst heißen sie im Französischen "sociétés anonymes") unterscheidet. Diese drei Elemente in Verbindung mit einer geschickten Heiratspolitik sind Voraussetzung, aber noch keine Garantie für den Bestand von Familienunternehmen.

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